Neuer Behandlungsansatz für Bluthochdruck

Gemeinsam mit Wissenschaftlern aus Berlin und Hamburg klärten Humangenetiker des Universitätsklinikums Jena einen Regelmechanismus für die Kontraktion der Wände von großen und sehr kleinen Blutgefäßen auf. In ihrer jetzt im Journal of Clinical Investigation veröffentlichten Untersuchung schlagen sie den Kalzium-aktivierten Chlorid-Kanal TMEM16A/ANO1 als möglichen Angriffspunkt für die Behandlung von Bluthochdruck vor.

Erhöhter Blutdruck ist eine der am stärksten verbreiteten Zivilisationskrankheiten und ein Risikofaktor für Gefäßerkrankungen, Herzinfarkt, Schlaganfall und Nierenschäden. Ein wesentliches Merkmal ist der vergrößerte Widerstand des Gefäßsystems, der aus einer Verengung der Blutgefäße aufgrund einer Kontraktion der Muskelzellen in den Gefäßwänden resultiert. Das komplexe Gefüge der Regulierungsmechanismen für den Blutdruck ist nur stückweise verstanden; Wissenschaftler aus Jena, Berlin und Hamburg können dem jetzt einen weiteren Puzzlestein hinzufügen.

Im Mittelpunkt steht dabei ein mit TMEM16A bezeichnetes Protein, das in den glatten Muskelzellen der Gefäßwände vorkommt. Dieses Protein ist ein Ionenkanal für Chlorid-Ionen. In Abhängigkeit von der Konzentration von Kalzium-Ionen in den Gefäßwandzellen öffnet dieser Kanal und lässt Chlorid in die Zellen einströmen, was letztlich zu einer stärkeren Kontraktion der Gefäßwände führt. „Bislang war diese Rolle von TMEM16A nicht klar“, so Prof. Christian Hübner, Direktor des Instituts für Humangenetik am Jenaer Universitätsklinikum. „Jedoch lag eine Beteiligung von Kalzium-aktivierten Chlorid-Kanälen für die Regulation des Gefäß-Tonus und damit des Blutdrucks aufgrund verschiedener Vorbefunde nahe.“

Um diese Hypothese zu überprüfen, schalteten die Wissenschaftler den Kanal zielgerichtet in den Muskelzellen der Gefäßwände von erwachsenen Mäusen aus. „Das Ausschalten des Ionenkanals hat in der Tat eine Verringerung des Blutdrucks zur Folge“, nennt Christian Hübner das wichtigste Ergebnis, „damit konnten wir erstmals die blutdruckregulierende Wirkung von TMEM16A im lebenden Organismus nachweisen.“ Darüber hinaus zeigten die Wissenschaftler, dass diese Blutdrucksenkung auch bei der zusätzlichen Gabe des gefäßverengenden und damit blutdrucksteigernden Hormons Angiotensin bestehen bleibt.

Der Vergleich verschieden großer Gefäße ergab Erstaunliches: In den Gefäßwänden von großen Schlagadern gab es wesentlich mehr TMEM16A als in mittelgroßen Arterien, und während sich die Hauptschlagader ohne den Ionenkanal weniger kontrahiert, zeigten mittelgroße Arterien nach dem Abschalten des Kanals ein unverändertes Kontraktionsverhalten. In den Gefäßmuskelzellen kleiner und kleinster Gefäße waren die durch den Kanal vermittelten Ströme besonders groß und das Ausschalten des Kanals führte auch hier zu einer verminderten Kontraktion.

Professor Hübner: „Es hat uns überrascht, dass der Ionenkanal in den verschiedenen Abschnitten des Gefäßbaumes eine so unterschiedliche Bedeutung hat. Das unterstreicht aber die Rolle von TMEM16A in der Blutdruckregulation, denn besonders die kleinen Arterien tragen zum blutdruckbestimmenden Gefäßwiderstand bei.“ Das macht den Ionenkanal zu einem interessanten Kandidaten für neue Behandlungsstrategien von hohem Blutdruck.

Originalliteratur:
Heinze C. et al. Disruption of vascular Ca2+-activated chloride currents lowers blood pressure, 2014, Journal of Clinical Investigation, doi:10.1172/JCI70025.http://www.jci.org/articles/view/70025

 

Schulkino-Wochen NRW: Schüler begeistert

Erfolgreichster Film der SchulKinoWochen NRW 2014: "Das kleine Gespenst" Foto: Universum Film
Erfolgreichster Film der SchulKinoWochen NRW 2014: „Das kleine Gespenst“
Foto: Universum Film

Die Schulkino-Wochen NRW lockten über 80.000 Schülerinnen und Lehrer zur besten Unterrichtszeit in die Lichtspielhäuser des Landes. Veranstaltet wurde die die Reihe, die vom 16. Januar bis 5. Februar in 101 Kinos über die Leinwände lief, von „Vision KIno – Netzwerk für Film- und Medienkompetenz“ und „Film + Schule NRW“, einer gemeinsamen Initiative des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) und des NRW-Schulministeriums.

Drei Wochen lang haben mehr als 130 Spiel-, Dokumentar- und Animationsfilme die Schüler aller Altersstufen dafür begeistert, im Kino über das Medium Film zu lernen. In über 1.000 Vorstellungen in den 78 teilnehmenden Städten warfen die Kinder und Jugendlichen einen Blick auf ferne Welten und fremde Kulturen, tauchten in reale und fiktive Wirklichkeiten ein und stärkten mit dem Kinobesuch und der Vor- und Nachbereitung des Gesehenen im Unterricht ihre Medienkompetenz.

Im Rennen um die Zuschauergunst der Schulkino-Wochen setzte sich „Das kleine Gespenst“ mit den mit Abstand meisten Anmeldungen durch, aber auch der diesjährige Eröffnungsfilm „Das Mädchen Wadjda“ und „Die Abenteuer des Huck Finn“ wurden oft gewählt. Zu allen ausgewählten Filmen gab es kostenloses Unterrichtsmaterial. Und darüber hinaus standen auch in diesem Jahr Regisseure wie Ralf Breier („Die Familie mit den Schlittenhunden“) und Schauspieler wie Neil Malik Abdullah („Kaddisch für einen Freund“), Experten und Filmpädagogen dem jungen Publikum direkt nach den Filmen Rede und Antwort.

Projektleiterin Marlies Baak-Witjes freut sich über den anhaltenden Erfolg des Projekts, sieht aber auch die Herausforderungen für die Zukunft: „Wir haben begonnen, die Schulkino-Wochen zu einer ‚inklusiven‘ Reihe auszubauen und werden diesen Weg fortsetzen.“ 2012 gab es mit ‚Ein Tick anders‘ erstmalig einen Eröffnungsfilm zum Thema Behinderung, 2013 haben die Veranstalter gemeinsam mit der TU Dortmund ein Pilotprojekt initiiert, bei dem sich Schülerinnen aus Regel- und aus Förderschulen in gemeinsamen Filmveranstaltungen und anschließenden Workshops kennen konnten. „2014 haben wir diese Angebote ausgebaut und den Inklusionsbegriff erweitert – mit Filmen, die nicht nur das Verständnis für Menschen mit Behinderungen, sondern auch für Menschen aus anderen Kulturen fördern wie z.B. der diesjährige Eröffnungsfilm ‚Das Mädchen Wadjda‘. Wadjda hat keine körperliche oder geistige Behinderung, aber sie wird behindert durch Verbote, wie sie für Mädchen in der saudi-arabischen Gesellschaft bestehen – wie etwa das Verbot, Fahrrad zu fahren“, so Baak-Witjes weiter.

Hintergrund

Gemeinsam mit der Bundeszentrale für politische Bildung richteten die Schulkino-Wochen mit Kinoseminaren in ausgesuchten Spielstätten einen weiteren Fokus auf den Ausbruch des Ersten Weltkriegs, der sich in diesem Jahr zum 100. Mal jährt, oder aktuellen kontroversen Produktionen wie dem mit mehreren Deutschen Filmpreisen ausgezeichneten Debütfilm „Kriegerin“.

Bevor sich die Leinwand-Vorhänge der Schulkino-Wochen zur Neuauflage 2015 wieder öffnen, haben Schüler aller Altersklassen und Schulformen bis zum 22. Februar die Möglichkeit, Filmkritiken zu den Filmen zu schreiben und damit am gemeinsam mit „Spinxx.de – Onlinemagazin für junge Medienkritik“ organisierten Wettbewerb teilzunehmen. Weitere Informationen dazu unter http://www.schulkinowochen.nrw.de.

Die Schulkino-Wochen werden veranstaltet von „Vision Kino – Netzwerk für Film und Medienkompetenz“ und von „Film + Schule NRW“, einer gemeinsamen Initiative des Ministeriums für Schule und Weiterbildung NRW und des LWL-Medienzentrums für Westfalen. „Vision Kino“ ist eine gemeinnützige Gesellschaft zur Förderung der Film- und Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen. Sie wird unterstützt von dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, der Filmförderungsanstalt, der Stiftung Deutsche Kinemathek, sowie der „Kino macht Schule“ GbR, bestehend aus dem Verband der Filmverleiher e.V., dem HDF Kino e.V., der Arbeitsgemeinschaft Kino – Gilde deutscher Filmkunsttheater e.V. und dem Bundesverband kommunale Filmarbeit e.V.. Die Schirmherrschaft über „Vision Kino hat Bundespräsident Joachim Gauck übernommen. Kooperationspartner der SchulKinoWochen NRW sind das NRW-Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport, die filmothek der jugend nrw, die kommunalen Medienzentren in NRW, die Bundeszentrale für politische Bildung und spinxx.de, das Onlineportal für junge Medienkritik.

Projektbüro Schulkinowochen NRW beim LWL-Medienzentrum für Westfalen, Tel.: 0251-591-3055, http://www.schulkinowochen.nrw.de

LWL-Medienzentrum für Westfalen
Fürstenbergstr. 14
48147 Münster
Karte und Routenplaner

Kopflausbekämpfung ohne Gift

Kopfläuse haben in Kindergärten und Schulen zurzeit Hochsaison, denn die Übertragung der Insekten wird durch das Tragen von Mützen und Schals begünstigt. Ist der Nachwuchs betroffen, greifen Eltern schnell zur chemischen Keule. Welche anderen Möglichkeiten es noch gibt, um die nur wenige Millimeter großen Plagegeister zu bekämpfen, stellt eine Infobroschüre der Verbraucherzentrale Hamburg vor.

In der aktualisierten Broschüre werden die verschiedenen chemisch, physikalisch oder mechanisch wirkenden Haus- und Läusemittel samt Inhaltsstoffen kurz und übersichtlich vorgestellt. Grundregeln zur Verwendung, Hinweise zum Behandeln von Textilien oder Gegenständen und eine Checkliste für das schrittweise Vorgehen helfen ganz praktisch, um das Insektenproblem in den Griff zu bekommen. Allgemeine Hinweise zur Kopflaus-Biologie, zum Krankheitsbild und den Übertragungswegen runden die Lektüre ab.

Die Broschüre „Kopflausbekämpfung ohne Gift“ gibt es für 1,50 Euro im Infozentrum der Verbraucherzentrale Hamburg an der Kirchenallee 22 (Mo, Mi, Do, Fr 10 – 18 Uhr, Di 10 – 19 Uhr) oder unter www.vzhh.de als Download im PDF-Format. Zuzüglich 2,00 Euro für Porto und Versand kann man eine Printversion auch online oder per Telefon (040) 24832-104 bestellen.

Wenig Glanz außerhalb Sotschis: Die Schattenseiten Olympias

Die Olympischen Spiele in Sotschi sollen Russlands Ansehen in aller Welt stärken. Doch ihr Glanz reicht nicht weit über die Stadtgrenzen hinaus.

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