Kategorie-Archiv: Natur & Umwelt

Umstieg auf alternative Energien

„Der Bericht des Weltklimarats IPCC hat noch einmal deutlich gemacht, wie wichtig ein zügiger Umstieg auf alternative Energien ist. Bei internationalen Konferenzen gibt es erfreuliche erste Zeichen für eine Neupositionierung von China und den USA, den CO2-Ausstoß zu bremsen. Gerade deshalb dürfen Deutschland und Europa jetzt ihre Spitzenposition nicht aufgeben und müssen für sich deutlichere Zielmarken definieren“, forderte der Präsident des Bundesverbandes WindEnergie, Hermann Albers, vor dem Hintergrund der Pressekonferenz von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) und Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) zum Bericht des Weltklimarats IPCC in Berlin.

„Das derzeitige Abbremsen der Erneuerbaren Energien ist volkswirtschaftlich ein Fehler. Der Rückgang der Beschäftigung in wichtigen Teilbranchen ist das direkte Ergebnis einer unentschlossenen Politik, die die enormen Chancen auf wachsenden internationalen Märkten ausblendet. Es ist an der Zeit, dass Deutschland zu seiner alten Rolle zurückfindet und sich wieder als europäische und weltweite Lokomotive des Klimaschutzes positioniert.“

Der Präsident des Bundesverbandes WindEnergie wies auf die wachsende wirtschaftliche Bedeutung der Erneuerbaren Energien – Industrien hin. Das Statistische Bundesamt hatte in der vergangenen Woche die Zahlen für 2012 präsentiert und aufgezeigt, dass die Umsätze mit Klimaschutzgütern weiter wachsen und inzwischen etwa 40,3 Milliarden Euro betragen. Dabei stach die Windenergie mit 9,7 Milliarden Euro (Onshore: 8,5 Milliarden Euro, Offshore: 1,2 Milliarden Euro) deutlich hervor.

„Der Umbau des Energiesystems in Deutschland – dies stellt die Bundesregierung im gerade vorgelegten Grünbuch zur Energiewende fest – wird zu einer Abschaltung von nicht mehr benötigten Kraftwerken führen. Es stünde unserem Land gut zu Gesicht, dies auch durch ein Kohleausstiegsgesetz sichtbar zu machen. Die Festlegung, in welcher Schrittfolge parallel zum Zubau der Erneuerbaren Energien fossile Erzeugungskapazitäten aus dem Markt genommen werden, wäre ein wichtiges Signal für internationale Klimaschutzkonferenzen und könnte das Gewicht unseres Landes in Verhandlungen erhöhen. Daran sollte die Bundesregierung ein starkes Interesse haben“, machte Hermann Albers deutlich.

Quelle: http://www.wind-energie.de

Nachhaltige Fischerei

Fischereimanagement im Spannungsfeld von Profit, Naturschutz und Verteilungsgerechtigkeit, Fotos: Imme Schmidt
Fischereimanagement im Spannungsfeld von Profit, Naturschutz und Verteilungsgerechtigkeit, Fotos: Imme Schmidt

Neuer Ansatz entschärft Konflikt zwischen Ökonomie und Ökologie

Das Gleichgewicht zwischen Gewinnmaximierung und nachhaltigem Schutz von Fischbeständen zu halten, ist für Fischer und Fischerinnen wie für die Politik gleichermaßen schwierig. Zählt nur der Gewinn, leiden die Bestände. Werden nur einzelne Fischarten beispielsweise per Quote geschützt, gerät das ökologische Gleichgewicht aus dem Ruder.

Die Kieler Forscher Dr. Rudi Voss, Dr. Jörn Schmidt und Prof. Martin Quaas aus der interdisziplinären Arbeitsgruppe zur nachhaltigen Fischerei des Exzellenzclusters „Ozean der Zukunft“ und Kolleginnen und Kollegen aus den USA, Hamburg und Finnland zeigen nun in neuen Veröffentlichungen in den Fachmagazinen Plos One und Marine Ecology Progress Series, wie nachhaltiges Fischereimanagement funktionieren kann. Die Forschenden haben in ihrer Studie nicht nur die Entwicklung einzelner Fischarten untersucht, sondern sie auch in Beziehung zu ihren Fressfeinden und Beutefischen gesetzt.

Dabei wenden sie den so genannten Ökosystem-basierten Ansatz an, eine gleichrangige Abwägung von sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Aspekten. Damit schaffen die Forschenden eine Grundlage für Handlungsempfehlungen an die europäische Fischereipolitik, die Zielkonflikte und deren Auswirkungen unmissverständlich visualisiert.

Wie wirkt sich Profitmaximierung in der Fischerei auf die Bestandsgrößen der Fischarten aus? Welche Folgen hat der Schutz einzelner Fischarten auf das Zusammenleben aller Lebewesen im marinen Ökosystem? Wie kann man die Bestände verschiedener Organismen im Meer auf einem existenzsichernden Niveau halten und gleichzeitig die Lebensgrundlage der Fischer und Fischerinnen bewahren? Modernes Fischereimanagement bedeutet, diese oft widerstrebenden Interessen und ihre Auswirkungen gegeneinander abzuwägen und einen bestmöglichen Kompromiss zu finden.

Während die Fischereipolitik bisher vor allem zwischen wirtschaftlichen und ökologischen Interessen vermittelte, verlangt der von den Vereinten Nationen geforderte sogenannte „Ecosystem Approach to Fisheries Management“, Ökosystem-basierter Ansatz im Fischereimanagement, eine gleichwertige Abwägung von sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Aspekten im Sinne eines nachhaltigen Ressourcenmanagements.

Die Veröffentlichungen der Kieler Forschenden in den Fachmagazinen PLOS ONE und Marine Ecology Progress Series heben insbesondere hervor, welche Kompromisse modernes Ressourcenmanagement eingehen muss, um eine nachhaltige Nutzung von Ökosystemdienstleistungen durch den Menschen sicherzustellen. Am Beispiel des Fischereimanagements in der Ostsee demonstriert die Forschungsgruppe diesen Ansatz: In einem wirtschaftliche und ökologische Faktoren berücksichtigenden Mehrarten-Optimierungsmodell wird erprobt, wie eine ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltige Erholung der zusammengebrochenen Dorschbestände zu erzielen ist.

Eine auf reiner Gewinnmaximierung basierende Strategie zum Wiederaufbau der Dorschbestände könnte zum Beispiel zum Zusammenbruch der finanziell weniger wertvollen Bestände der Sprotte führen: Beide Arten sind nämlich durch starke Räuber-Beute-Interaktionen verbunden, so dass Management-Maßnahmen für eine Art automatisch auch die andere Art beeinflussen. Von Schutzmaßnahmen zur Sicherung der Sprotte wiederum würden nur die darauf spezialisierten Fischer und Fischerinnen profitieren, was die Gerechtigkeit in der Ressourcennutzung in Frage stellen würde.

Die Arbeit zeigt jedoch einen Weg auf, der zwar wirtschaftlich nicht optimal ist, aber möglicherweise für eine akzeptable Balance zwischen Profit, Artenschutz und sozialer Gleichheit sorgt. Damit demonstriert diese Fallstudie, welche gesellschaftlichen Handlungsoptionen zur Lösung von Interessenkonflikten in der Nutzung von natürlichen Ressourcen zur Verfügung stehen und dass solche Managementempfehlungen einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der globalen Fischbestände leisten können.

Originalarbeiten:
Voss, R, Quaas, MF, Schmidt, JO, Tahvonen, O, Lindegren, M, Möllmann, C. Assessing social – ecological trade-offs to advance ecosystem-based fisheries management.www.plosone.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pone.0107811

Voss R, Quaas MF, Schmidt JO, and Hoffmann J. Regional trade-offs from multispecies maximum sustainable yield (MMSY) management options. Marine Ecology Progress Series 498:1-12.
www.int-res.com/articles/feature/m498p001.pdf

Links:
www.ozean-der-zukunft.de
www.eree.uni-kiel.de/de

Natürliche Waldgesellschaften in Deutschland

Von trocken bis nass, von heiß bis kalt

Wald ist nicht gleich Wald. Je nach Klima und Standort haben sich im Laufe der Jahrtausende unterschiedliche natürliche Waldtypen – sogenannte Waldgesellschaften – herausgebildet. In Deutschland reichen die vielfältigen Ausprägungen zum Beispiel von den Kiefernwäldern auf trockenen Sanddünen und Felsklippen über die Buchenwälder der Mittelgebirge bis hin zu den regelmäßig überfluteten Auenwäldern an Gewässern.

Als naturnahe Waldgesellschaft kommen in Deutschland am häufigsten Buchenwälder vor. Die (Rot-)Buche ( Fagus sylvatica), ist bei uns sehr konkurrenzstark. Sie bevorzugt regenreiches atlantisches Klima und Standorte, die keine Extreme aufweisen. Ohne menschlichen Einfluss würden Buchenwälder heute große Teile Mitteleuropas bedecken. In Deutschland hat die Buche heute einen Anteil von etwa 15 Prozent an der Waldfläche, Tendenz wieder deutlich zunehmend. Obwohl viele naturnahe Buchenwälder auf den ersten Blick eintönig und artenarm erscheinen, weisen sie bei genauer Betrachtung doch eine überraschende Artenfülle auf. So fand man in mehrere hessischen Buchen-Naturwaldreservaten zwischen 1.600 und 2.300 Tierarten, und das, obwohl sie nur wenige Jahre nach dem Ende der Bewirtschaftung einen eher normalen, durchschnittlichen Zustand aufwiesen.

Auf Standorten, die der Rot-Buche nicht zusagen, behaupten sich häufig eichenreiche Wälder. Eichenmischwälder haben eine große ökologische Spannbreite – von feuchten Eichen-Hainbuchenwäldern der Niederungen bis zu Flaumeichenwäldern auf sonnig-heißen Südhängen. Sie weisen einen vollkommen anderen Charakter auf als die Buchenwälder. Während es unter dem dicht geschlossenen Kronendach der Buchen recht dunkel ist, sind Eichenwälder wesentlich heller und die Sonne dringt bis zum Boden durch. Daher findet man hier viele Licht und Wärme liebende Tier- und Pflanzenarten.

Die in Mitteleuropa weit verbreitete Fichte kommt natürlicherweise in den Wäldern hoher Gebirgslagen der Alpen und der Mittelgebirge vor. Da sich Fichtenholz als Holz für den Hausbau eignet, wurde sie auch in vielen anderen Bereichen gepflanzt. Mit zunehmender Klimaerwärmung leidet sie aber immer stärker unter Massenvermehrungen von Borkenkäfern, die ganze Wälder zum Absterben bringen können.

Recht selten sind bei uns ursprünglich gebliebene Auenwälder. Ihr Bestand hat besonders durch Flussbegradigung, Dammbau, Entwässerung und Umwandlung von Auenwäldern in Ackerflächen abgenommen. Auenwälder sind in ihrer Struktur und Artenzusammensetzung an die Dynamik der Überschwemmungen von kleineren und größeren Fließgewässern gebunden. Die vorhandenen Auenwälder unterliegen auch heute noch Veränderungen durch Uferverbau, Freizeitbetrieb oder Pflanzungen von Hybridpappeln. Besondere Probleme bereitet die Ausbreitung von konkurrenzstarken neuen Pflanzen (Neophyten), wie zum Beispiel des Indischen Knöterichs. Sie verdrängen im Uferbereich die heimische Vegetation und führen so zur Zerstörung der ursprünglichen Lebensgemeinschaften.

Die heute noch erhaltenen Feuchtwälder sind wichtig für den Natur-und Wasserhaushalt und sollten unbedingt erhalten werden. Das gilt neben den Auenwäldern natürlich auch für eine weitere Form der Feuchtwälder, die Moorwälder, die sich im Randbereich von Mooren entwickeln.

Heike Stommel, Rainer Schretzmann, www.aid.de

Weitere Informationen:
aid-Heft „Wald-Lebensräume“, Bestell-Nr. 1550,
www.aid.de/shop/shop_detail.php?bestellnr=1550

Wann wird die Artischocke zur Arzneipflanze?

Ricin und Strichnin sind rein pflanzlichen Ursprungs. Dennoch sind sie weder der Gesundheit förderlich noch verträglich. Der erste Stoff gehört mittlerweile auf die Liste der weltweit verbotenen Pflanzenschutzmittel, der zweite machte Karriere in Kriminalromanen. Ob eine Pflanze oder Pflanzenteile als Lebensmittel oder als Arzneimittel gelten, darüber gibt nun eine Stoffliste des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) Auskunft. Dr. Bettina Hartwig vom Bundeslandwirtschaftsministerium nahm diese am 9. September 2014 in Berlin offiziell in Empfang.

Die Stoffliste in der Kategorie „Pflanzen und Pflanzenteile“ wurde zusammen mit den Lebensmittelbehörden der Bundesländer erarbeitet und umfasst 590 Einträge, die mit einem Entscheidungsbaum anhand von neun Fragen in acht Kategorien eingeteilt wurden. Am Ende steht die Einteilung als Lebensmittel ohne Einschränkung oder die Zulassung als Arzneimittel oder Novel Food.

Hintergrund ist die Verwendung von immer mehr Pflanzen und Pflanzenteilen wie Blatt, Samen oder Frucht in Nahrungsergänzungsmitteln, als diätetisches Nahrungsmittel oder als neuartiges Lebensmittel (Novel Food). Deutschland hat in Europa die zweitmeisten Zulassungsanfragen für Stoffe im Rahmen der traditionellen Medizin nach Großbritannien, erläuterte Dr. Helmut Tschiersky, Präsident des BVL. Um den Beteiligten in der Lebensmittel-Warenkette Sicherheit über die Verwendung von Stoffen zu geben, wurde die Liste vom Bund in Auftrag gegeben.

Die Wissenschaftler haben es sich bei der Erstellung der Liste nicht einfach gemacht. So weist das Laubblatt der Artischocke eine pharmakologische Wirkung auf und wird auch in der traditionellen Medizin eingesetzt. Für Dr. Kerstin Stephan vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) ist die Einstufung als Arzneipflanze daher berechtigt. Wenn allerdings der Blütenboden und das Schuppenblatt verwendet werden, dann gilt die Artischocke als Lebensmittel ohne Einschränkungen. Bei Kürbissamen oder Oregano ist es ähnlich. Auch Knoblauch bleibt Lebensmittel, obwohl er eine wissenschaftlich beweisbare pharmakologische Wirkung aufweist. Entscheidend ist die Dosis, so Stephan. Einzelne Stoffe oder Isolate fanden keine Betrachtung, weil sie durch eine Verarbeitung teilweise erhebliche Veränderungen vom Ausgangsstoff aufweisen.

Deutschland hat also nun eine rechtlich nicht bindende Positivliste. Die Niederlande führt eine Verbotsliste. Verschiedene EU-Mitgliedsländer haben rechtlich verbindliche oder unverbindliche Listen. Eine Harmonisierung wünschten sich alle Beteiligten, die an der Vortragsveranstaltung des BVL anlässlich der Übergabe der Stoffliste teilnahmen. Aber im Jahr 2008 hat die EU dem eine Absage erteilt. Sie hält es für nicht möglich, weil die Bewertungen zu unterschiedlich sind und für unnötig, weil sich die rechtlichen Grundlagen aufeinander zu bewegten. So lange bleibt die Zulassung eine Frage der einzelnen Mitgliedsstaaten.

Roland Krieg, www.aid.de

Weitere Informationen:
www.bvl.bund.de

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