Bringen Crash-Diäten doch Erfolge? Aktuelle Pressemeldungen sprechen Blitzdiäten von der Kritik frei. Doch die Argumentation hat einen grundlegenden Haken.
Denn als Grundlage für ihre Berichterstattung greifen die Autoren eine kürzlich veröffentlichte australische Studie auf. Diese ging der Frage nach, ob langsames oder doch schnelles Abnehmen auf lange Sicht erfolgsversprechender ist. Übergewichtige, die eine niedrigkalorische Formula-Diät einhielten, verloren in der Tat schneller und mehr Gewicht als Teilnehmer, die auf langsamem Weg versuchten abzunehmen. Langfristig betrachtet fiel es allerdings allen Teilnehmern schwer, das erreichte Gewicht zu halten. Für einen dauerhaften Erfolg ist eine Ernährungsumstellung weiterhin unumgänglich.
Der Knackpunkt daran ist jedoch, dass Formula-Diäten wenig mit den sogenannten Crash-Diäten gemeinsam haben. Formula-Diäten sind eine etablierte Methode in der Adipositastherapie, die unter fachkundiger Anleitung besonders stark adipöser Menschen beim Abnehmen helfen soll. Durch die genau definierte Nährstoffzusammensetzung der Shakes, Suppen und Riegel fällt es vielen Übergewichtigen leichter, ihre Kalorienaufnahme effektiv zu senken. Im Gegensatz zu vielen Crash-Diäten, die sich meist auf wenige Lebensmittelgruppen fokussieren, liefert die Formula-Kost weitgehend ausreichende Mengen an Eiweißen, Vitaminen und Mineralstoffen.
Einen Mehrwert für andere niedrigkalorische Diätvarianten und insbesondere für die zweifelhaften Crash-Diäten lässt sich aus der zitierten Studie jedoch beim besten Willen nicht ableiten. Um gesund und nachhaltig Gewicht zu verlieren, ist von diesen weiterhin abzuraten. Wer hingegen mithilfe einer Formula-Diät rasch abnehmen möchte, sollte sich bestenfalls von einem Ernährungstherapeuten unterstützen lassen.
Tipps für die bewusste Ernährung nach einer erfolgreichen Gewichtsreduktion liefert unsere Ernährungspyramide „Bewusste Ernährung“, deren einzelnen Stufen in der Rubrik „Unser täglich Brot“ unter www.fet-ev.eu erklärt werden.
Quelle: Purcell et al.: The eff ect of rate of weight loss on long-term weight management: a randomised controlled trial. Lancet Diabetes Endocrinol: 2014 [Abstract]
Im Frühjahr dieses Jahres kam es in Saudi-Arabien zu einer dramatischen Ausbreitung lebensgefährlicher Lungenentzündungen. Auslöser war das neu entdeckte MERS-Coronavirus. Epidemiologen der Weltgesundheitsorganisation befürchteten zunächst, das Virus sei mutiert und dadurch gefährlicher geworden. Virologen der Universität Bonn und des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung haben nun den Ausbruch und das Virus untersucht. Resultat ihrer Analyse: Das Virus ist nicht mutiert; Hauptproblem scheint dagegen eine mangelhafte Krankenhaus-Hygiene gewesen zu sein.
Im März und April dieses Jahres alarmierte ein MERS-Ausbruch im saudi-arabischen Dschidda Gesundheitsexperten aus aller Welt. Innerhalb von vier Wochen steckten sich etwa 200 Menschen mit dem Virus an – genau soviele wie seit der Entdeckung des Virus im Jahr 2012 zusammen genommen. MERS steht für Middle East Respiratory Syndrome. Das Virus verursacht eine Lungenentzündung, die beim Menschen in jedem dritten Fall tödlich endet. Angesichts des Ausbruchs befürchteten Epidemiologen, ein mutiertes Virus könnte im schlimmsten Fall eine weltweite Epidemie auslösen.
Virologen der Universität Bonn haben als erstes Forschungsteam weltweit den Ausbruch und das beteiligte Virus untersucht. Ihren Analysen zufolge ist das MERS-Virus aus Dschidda nicht ansteckender als der Stamm, der 2012 isoliert wurde. Auch hat es keine Mechanismen entwickelt, die es ihm erlauben würden, die menschliche Immunabwehr zu unterlaufen.
Mangelnde Krankenhaushygiene
Ursache war stattdessen wohl ein Problem mit der Krankenhaus-Hygiene. Die Hälfte der infizierten Patienten wurde im König Fahd Hospital in Dschidda behandelt. „Wir nehmen an, dass es dort zur massenhaften Übertragung der Krankheit gekommen ist“, sagt Studienleiter Professor Dr. Christian Drosten vom Institut für Virologie am Universitätsklinikum Bonn und vom Deutschen Zentrum für Infektionsforschung. So müssen MERS-Erkrankte häufig beatmet werden. Wird der Beatmungsschlauch unsachgemäß entfernt, können infektiöse Aerosole frei werden, die viele Milliarden Viren enthalten. Dazu komme, dass das Pflegepersonal in Saudi-Arabien oft schlecht ausgebildet sei. „Es ist enorm wichtig, an diesem Punkt anzusetzen“, sagt Prof. Drosten. In Deutschland sei ein ähnlicher Ausbruch wohl kaum zu befürchten.
Der MERS-Ausbruch galt weltweit als das große infektionsmedizinische Problem dieses Frühjahrs. Entgegen anfänglicher Befürchtungen blieb er jedoch auf Dschidda beschränkt und klang schließlich wieder ab. Grund war wohl unter anderem die Umsetzung von Sicherheitsmaßnahmen in den Krankenhäusern, etwa eine bessere Isolierung von Patienten. „Das zeigt, wie effizient selbst einfache Methoden gegen ein derartiges Virus sein können“, betont Prof. Drosten.
Publikation: Christian Drosten, Doreen Muth, Victor Corman, Raheela Hussain, Malaki Al Masri, Waleed HajOmar, Olfert Landt, Abdullah Assiri, Isabella Eckerle, Ali Al Shangiti, Jaffar A. Al-Tawfiq, Ali Albarrak, Alimuddin Zumla, Andrew Rambaut, Ziad Memish: An observational, laboratory-based study of outbreaks of MERS-Coronavirus in Jeddah and Riyadh, Kingdom of Saudi Arabia, 2014; Clinical Infectious Diseases; DOI: 10.1093/cid/ciu812
Angesichts der sich stetig verändernden Medien- und Bildungslandschaft steht auch die Wissenschaft heute vor neuen Herausforderungen. Veränderte technologische Gegebenheiten und die vermehrte Diskussion über wissenschaftliches Fehlverhalten Einzelner – zum Teil herausragender Persönlichkeiten – machen es notwendig, neue Wege in der Vermittlung und Kontrolle wissenschaftlicher Standards zu beschreiten.
Die Vielzahl unterschiedlicher Fachkulturen und die damit teilweise einhergehenden unterschiedlichen Formen der Regeln guter wissenschaftlicher Praxis sowie die Vielfältigkeit der Problemfelder akademischen Fehlverhaltens verlangen nach sach- und fallgerechten Vorgehensweisen. Mit dem Projekt „Akademische Integrität“ hat sich die Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) daher zum Ziel gesetzt, angemessene Maßnahmen zur Identifizierung, Prävention, Erkennung und Sanktionierung akademischen Fehlverhaltens zu entwickeln. Studentisches Fehlverhalten wird dabei ebenso in den Blick genommen wie kollegiales oder wissenschaftliches Fehlverhalten von Lehrenden und Forschenden.
„Wenngleich unsere Universität für den Fall wissenschaftlichen Fehlverhaltens klare Sanktionen festgelegt hat, wollen wir diesem Problemkreis dennoch in erster Linie präventiv begegnen. Im Fokus stehen daher weniger Maßnahmen zur Kontrolle und zur Verfolgung von falschem Verhalten“, erklärt der Präsident der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Univ.-Prof. Dr. Georg Krausch. „Es geht uns vielmehr darum, das Bewusstsein für gute wissenschaftliche Praxis zu fördern, Sichtbarkeit zu schaffen und Ideen zu entwickeln, wie alle Bereiche der Universität sinnvoll gemeinsam vorgehen können. Wir wollen das Thema der akademischen Integrität im Studien- und Forschungsalltag fest verankern.“
Entsprechend hat sich die Johannes Gutenberg-Universität Mainz bereits in ihrem Leitbild der Maxime akademischer Integrität verpflichtet. „Das tägliche Handeln ihrer Mitglieder in Forschung, Lehre und Studium, in der wissenschaftlichen Weiterbildung sowie im Wissenschaftsmanagement steht in Übereinstimmung mit den Werten und Regeln guter wissenschaftlicher Praxis. Die Mitglieder der JGU erkennen das geistige Eigentum anderer als schützenswertes Gut an und befolgen sowohl die allgemeinen als auch die fachspezifischen Prinzipien wissenschaftlichen Arbeitens“, so die JGU in ihrem Leitbild. „Das Erlernen der Regeln guter wissenschaftlicher Praxis ist als Teil der Vermittlung wissenschaftlicher Arbeitstechniken integraler Bestandteil eines jeden Studiums. Die JGU verpflichtet sich, dem Verdacht wissenschaftlichen Fehlverhaltens aktiv nachzugehen und erwiesenes wissenschaftliches Fehlverhalten angemessen zu sanktionieren.“
Das Projekt „Akademische Integrität“ ist ein Teilprojekt des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten universitätsweiten Programms „Lehren – Organisieren – Beraten“ (LOB) zur Verbesserung der Lehre und ist an der Universitätsbibliothek Mainz angesiedelt. „Wissenschaftliches Fehlverhalten wird nicht unbedingt geplant, sondern entsteht häufig aufgrund von Unkenntnis“, erklärt Projektleiterin Nicole Walger von der Universitätsbibliothek Mainz. „Unsere Homepage – www.akin.uni-mainz.de – dient daher als erste Anlaufstelle. Sie bündelt und präsentiert die bislang auf dem Campus verstreuten Angebote für Studierende und Promovierende, für Lehrende und Forschende sowie für alle anderen Interessierten auf diesem Gebiet.“
Im Sinne der Prävention akademischen Fehlverhaltens sind die Angebote des Projekts primär darauf ausgerichtet, die Mitglieder der JGU für den Themenbereich zu sensibilisieren und mit den wesentlichen Normen, Regeln und Vorgehensweisen vertraut zu machen. Neben bibliothekarischen Schulungsformaten, so zum Themenkomplex „Plagiat, Zitat und Paraphrase“, die sich unmittelbar an Studierende und Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler wenden, werden Fortbildungseinheiten für Lehrende und umfassendere Workshops für Nachwuchswissenschaftler – beispielsweise im Rahmen von Graduiertenkollegs – angeboten. Um eine gewisse Breitenwirkung zu erreichen, liegt ein Schwerpunkt der Projektarbeit im Bereich der Produktion und Bereitstellung von Lehr- und Informationsmaterialien. Diese werden ab dem Wintersemester 2014/2015 in einer „Toolbox“ zum Download und zur weiteren Verwendung angeboten.
Ein Beispiel aus dem vielfältigen Präventionsprogramm ist die campusweite Schreibwerkstatt, die ebenfalls zum BMBF-geförderten Projekt LOB gehört. Sie offeriert verschiedene zentrale und dezentrale Angebote für Studierende, den wissenschaftlichen Nachwuchs und Lehrende. Diese dienen zum einen dazu, Studierende beim wissenschaftlichen Schreiben zu unterstützen sowie ihnen Methoden zur Bewältigung von Schreibproblemen an die Hand zu geben. Zum anderen zielen sie darauf ab, Lehrende bei der Entwicklung von Konzepten zur Vermittlung wissenschaftlicher Arbeitstechniken zu begleiten. „Sämtliche Angebote behandeln zentrale Aspekte des wissenschaftlichen Schreibens, jeweils in Anpassung an die Zielgruppe“, erklärt Dr. Nora Hoffmann vom Zentrum für Qualitätssicherung und -Entwicklung (ZQ). „Dazu gehören der Prozesscharakter des Schreibens, die Zeit- und Arbeitsplanung ebenso wie Lese- und Schreibtechniken oder die Akademische Integrität. Ziel muss sein, Freude am Formulieren und Schreiben zu finden.“
So ist beispielsweise das Schreiben von Haus- und Abschlussarbeiten für Studierende immer wieder eine Herausforderung. Wie finde ich ein geeignetes Thema und wie die passende Literatur? Wie beginne ich einen Text? Was ist ein guter wissenschaftlicher Stil? Und wann ist eine Arbeit reif für die Abgabe? Bei all diesen Fragen dient die campusweite Schreibwerkstatt als Anlaufstelle. Vom Workshop über Tutorien bis zur Einzelberatung bündelt sie die Angebote verschiedenster Einrichtungen der JGU zum wissenschaftlichen Scheiben.
Außer der Universitätsbibliothek Mainz, bei der die Federführung für das Projekt „Akademische Integrität“ liegt, sind auch andere Bereiche der Johannes Gutenberg-Universität Mainz wie das Zentrum für Datenverarbeitung (ZDV) und das Zentrum für Qualitätssicherung und -entwicklung (ZQ) involviert. Beispielsweise prüfen sie, welche Detektionssoftware geeignet sein könnte, um Plagiate aufzuspüren. Für Lehrende soll hierzu auch ein Onlineberatungsangebot aufgebaut werden.
Die Doktorandin Sri Wahyuni Basuki, Erstautorin der Kieler Studie, im Labor vor der Diffusionsapparatur, mit der nun erstaunliche Forschungsergebnisse erzielt wurden. Foto/Copyright: Elisabeth Gill
Was Einstein nicht ahnte
Hart wie Keramik, leitfähig wie Metall, formbar wie Plastik: Metallische Gläser haben faszinierende Eigenschaften, die für die Industrie hochinteressant sind. Wie genau sie entstehen, ist aber noch weitgehend unbekannt. Mit ihrer neuen Entdeckung sind Wissenschaftler der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) nun nahe dran, das Geheimnis zu lüften, was passiert, wenn flüssige Metalllegierungen zu Glas erstarren. Damit erweitern sie eine über einhundert Jahre alte Theorie Albert Einsteins über Viskosität und Diffusion. „Das Metall der Zukunft“ – damit werben Firmen für die extrem harten, elastischen und korrosionsbeständigen Metalllegierungen. Sie sind besonders in der Medizin, in der Raumfahrt und bei Sportausrüstung wie Golfschlägern gefragt. Die Herstellung dieser metallischen Gläser, die erstmals 1954 in Deutschland entdeckt wurden, ist jedoch sehr aufwendig und teuer, da umfassende wissenschaftliche Grundlagenerkenntnisse bisher fehlen – trotz zurzeit intensiver Erforschung.
Diffusionsmechanismen im Festkörper, der komplexen Schmelze und der einfachen Schmelze Copyright: Alexander Vahl
Insbesondere die Übergangsphase von der Schmelze bis zum Glas stellt die Forscherinnen und Forscher vor große Rätsel. In kristallinen Festkörpern ist jedes einzelne Atom wie in einem Käfig an seinem Ort gefangen, denn die Teilchen sind dicht und regelmäßig „gepackt“. Völlig anders verhalten sie sich hingegen in sogenannten einfachen Schmelzen. Das sind Stoffe in der flüssigen Phase, die nur aus einem Element bestehen. In diesem Zustand haben die Atome mehr Platz (= mehr freies Volumen), um sich gleichzeitig zu bewegen. Dadurch stoßen sie auch aneinander und ändern fortwährend ihre Richtung. Albert Einstein beschrieb dieses Verhalten bereits 1905 in einer Gleichung: In einer einfachen Schmelze bestimmt demnach die Größe der Atome deren Geschwindigkeit. Bei etwa gleicher Atomgröße – so erkannte der Physiker – sollten sich alle Atome nahezu gleich schnell bewegen.
Forschungsgegenstand Vitreloy 4: Kieler Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben neues Grundlagenwissen über metallische Schmelzen geschaffen. Foto/Copyright: Elisabeth Gill
Überraschendes förderte jetzt ein Kieler Forschungsteam um Professor Franz Faupel und Professor Klaus Rätzke mit Kolleginnen und Kollegen vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Köln zu Tage: Mit Experimenten an Vitreloy 4 (Marke der Liquidmetal Technologies), einer Legierung aus Zirconium, Titan, Kupfer, Nickel und Beryllium – also einer komplexen Schmelze aus mehreren Elementen – wiesen sie nach, dass sich komplexe Schmelzen von glasbildenden Legierungen nicht wie einfache Schmelzen verhalten.
„Schon mehrere hundert Grad vor dem Einsetzen der Erstarrung stellten wir fest, dass sich unterschiedliche Atomspezies unterschiedlich schnell bewegten“, erklärt Faupel die Untersuchungsergebnisse, „Und dass, obwohl die verschiedenen Atome fast gleich groß sind.“ Die Forschenden hatten zuvor Zirkon- und Cobalt-Atome radioaktiv markiert und beobachteten, dass die Zirkon-Atome bis zu viermal langsamer durch die Schmelze schleichen als die restlichen Atome. „Sie bewegen sich nicht frei, sondern spüren sogar oberhalb der Glasübergangstemperatur das Energiepotential anderer Zirkon-Atome und formen zeitweilig sogar Bindungen mit ihren Nachbarn“, führt Faupel weiter aus.
Diese Erkenntnisse, jüngst erschienen in der renommierten Fachzeitschrift „Physical Review Letters“, bestätigen nicht nur jüngste Theorien in diesem Forschungsfeld, welche davon ausgehen, dass die Glasbildung durch das Einfrieren der Bewegung bei bestimmten Temperaturen bedingt ist. Sondern sie könnten auch dazu führen, dass metallische Gläser zukünftig günstiger und gezielter hergestellt werden können.
Originalpublikation Decoupling of Component Diffusion in a Glass-Forming Zr46.75Ti8.25Cu7.5Ni10Be27.5 Melt Far above the Liquidus Temperature
Sri Wahyuni Basuki, Alexander Bartsch, Fan Yang, Klaus Rätzke, Andreas Meyer and Franz Faupel. PhysRevLett.113.165901 (DOI: 10.1103)
Link zum Online-Artikel: http://journals.aps.org/prl/abstract/10.1103/PhysRevLett.113.165901