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Frauenrechte im Fokus der Vereinten Nationen

Professor Dr. Thorsten Bonacker mit seinen Mitarbeiterinnen Dr. Kerstin Zimmer (links) und Judith von Heusinger (Foto: Philipps-Universität Marburg / AG Bonacker)
Professor Dr. Thorsten Bonacker mit seinen Mitarbeiterinnen Dr. Kerstin Zimmer (links) und Judith von Heusinger (Foto: Philipps-Universität Marburg / AG Bonacker)

Die Vereinten Nationen (UN) verengen das Politikfeld der reproduktiven Gesundheit auf Frauenrechte. Das behaupten Marburger Sozialwissenschaftlerinnen und Sozialwissenschaftler in einem aktuellen wissenschaftlichen Aufsatz mit Blick auf die derzeitige UN-Generalversammlung in New York. Das Team um den Soziologen Professor Dr. Thorsten Bonacker von der Philipps-Universität veröffentlichte seine Forschungsergebnisse vorab online bei der Fachzeitschrift „Berliner Journal für Soziologie“.

„Reproduktive Gesundheit bedeutet das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung und Entscheidungsfreiheit, wann und wie viele Kinder jemand bekommen will“, erläutern Bonacker und seine Ko-Autorinnen. „Regierungen weltweit fördern reproduktive Gesundheit mit dem Ziel, Armut zu reduzieren. Denn – so die Annahme – gesunde Kinder und Erwachsene sind leistungsfähiger und können sich besser entfalten.“

Thorsten Bonacker, Judith von Heusinger und Dr. Kerstin Zimmer zeigen in ihrer Studie, dass das globale Politikfeld der reproduktiven Gesundheit in den letzten zwanzig Jahren zunehmend auf Frauenrechte fokussiert worden ist. Die Rechte anderer Gruppen treten demgegenüber in den Hintergrund.

Dies habe zur Folge, dass entwicklungspolitische Maßnahmen in erster Linie die Gesundheit von Müttern und deren Kindern in den Fokus nähmen.  „Infolgedessen wird Frauen die Verantwortung übertragen, für sich selbst und die Gesundheit ihrer Sexualpartner und Kinder zu sorgen“, konstatieren Bonacker und seine Mitverfasserinnen. „Sie alleine stehen in der Pflicht, zu verhüten und sich vor Krankheiten zu schützen.“ Andere Bereiche reproduktiver Gesundheit, wie etwa Geschlechtskrankheiten, Männergesundheit und Bedürfnisse anderer Gruppen treten in den Hintergrund.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Zentrums für Konfliktforschung an der Philipps-Universität Marburg kommen zu dem Schluss, dass sich das globale Politikfeld der reproduktiven Gesundheit im zeitlichen Verlauf in den letzten 20 Jahren stark verändert hat. Zu Beginn stand auf internationaler Ebene ein sehr viel umfassender Menschenrechts-Ansatz im Mittelpunkt. Dieser umfasste die Rechte aller Statusgruppen, etwa von Männern, Frauen, Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender-Personen.

Doch dieser breite Ansatz hat sich bis zur Verabschiedung der „Millennium Development Goals“ im Jahr 2000 stark verengt. Übrig blieb eine Fokussierung auf Mutter-Kind-Gesundheit und die Bekämpfung von AIDS. Der Grund: „Entwicklungsziele werden immer stärker an quantitativer Messbarkeit ausgerichtet, wie etwa die Zahl der Müttersterblichkeit oder aber HIV-Neuinfektionen“, erklärt Mitverfasserin Dr. Kerstin Zimmer. „Schwer messbare Ziele wie sexuelles Wohlbefinden und Diskriminierung von Schwulen und Lesben werden an den Rand gedrängt.“

Bei der UN Weltbevölkerungskonferenz von Kairo im Jahr 1994 wurde in einem bemerkenswerten Konsens zwischen 179 UN-Mitgliedsstaaten festgeschrieben, dass jeder Mensch das Recht auf ein befriedigendes und selbstbestimmtes Sexualleben hat. „Dies stellt eine Zäsur in der globalen Bevölkerungspolitik dar“, sagt Ko-Autorin Judith von Heusinger. „Dieses Leuchtturm-Abkommen markiert einen Paradigmenwechsel im Verhältnis von Entwicklung und Bevölkerungspolitik.“

Bei der diesjährigen Sitzung in New York rückte die UN-Generalversammlung vor allem die Rechte der Frau auf reproduktive Gesundheit in den Mittelpunkt. „Dadurch werden viele andere Aspekte von sexueller und reproduktiver Gesundheit vernachlässigt“, betont von Heusinger. Vor allem die Opposition des Vatikans, einiger arabischer Länder und Länder des globalen Südens hätten zur Verengung des Konzepts beigetragen. „In New York hat man sich jetzt nur auf den kleinsten gemeinsamen Nenner geeinigt, denn Sexualität ist ein äußerst sensibles Thema und in vielen Gesellschaften mit Tabus besetzt“, führt Projektleiter Bonacker aus. So beleuchte die UN lieber die Rechte der Frau, als kulturell sensible Themen wie Rechte für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender-Personen und Pflichten für Männer anzugehen.

Das Marburger Forschungsprojekt zu reproduktiver Gesundheit ist Teil eines größeren Vorhabens, das sich mit kulturellen Konflikten in der Entwicklungszusammenarbeit befasst. Gegenstand der Feldforschung in Kambodscha, Kirgisistan und der Ukraine ist, inwiefern global erarbeitete Entwicklungsprogramme zu reproduktiver Gesundheit und AIDS-Prävention auf Widerstand bei lokalen Akteuren stoßen.

„Gerade in Gesellschaften, die lange Zeit nicht-westlich geprägt waren, lösen Entwicklungshilfeprojekte häufig kulturelle Konflikte aus, da diese oft als Verstoß gegen lokale Traditionen und Bräuche wahrgenommen werden“, legt von Heusinger dar. „In Kirgisistan etwa sehen wir, dass nationalistische Politiker internationalen Geberorganisationen vorwerfen, durch sexuelle Aufklärungsbroschüren die Schwangerschaftsrate bei Teenagern in die Höhe treiben.“ Das Projekt wird von der Fritz-Thyssen-Stiftung finanziert und läuft zunächst bis 2015.

Originalveröffentlichung: Thorsten Bonacker, Judith von Heusinger & Kerstin Zimmer (2014): Reproduktive Gesundheit in der Weltgesellschaft zwischen Politisierung und Rationalisierung, in: Berliner Journal für Soziologie, (DOI) 10.1007/s11609-014-0256-5, URL: http://link.springer.com/journal/11609

Quelle/Text/Redaktion: http://www.uni-marburg.de

3500 Jahre alte Königsstadt identifiziert

Keilschrifttafeln belegen, dass es sich bei dem ausgegrabenen Ort um die hethitische Königsstadt Samuha handelt. (Fotos: Philipps-Universität Marburg / Andreas Müller-Karpe)
Keilschrifttafeln belegen, dass es sich bei dem ausgegrabenen Ort um die hethitische Königsstadt Samuha handelt. (Fotos: Philipps-Universität Marburg / Andreas Müller-Karpe)

Marburger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben die Identität einer 3500 Jahre alten Königsstadt enthüllt. Bei Ausgrabungen des Vorgeschichtlichen Seminars der Philipps-Universität in Kayalıpınar (Türkei) entdeckten sie Keilschrifttafeln, die erstmalig den hethitischen Namen des Ortes nennen: Samuha. Zu diesem Ergebnis kommt Professorin Dr. Elisabeth Rieken vom Marburger Fachgebiet Vergleichende Sprachwissenschaft und Keltologie bei ihrer kürzlich abgeschlossenen Bearbeitung der neuen Textfunde.

Keilschrifttafeln belegen, dass es sich bei dem ausgegrabenen Ort um die hethitische Königsstadt Samuha handelt. (Fotos: Philipps-Universität Marburg / Andreas Müller-Karpe) „Samuha war als bedeutende Metropole bereits seit Längerem aus Schriftquellen anderer Fundorte bekannt“, erläutert Professor Dr. Andreas Müller-Karpe, Direktor des Vorgeschichtlichen Seminars der Philipps-Universität, an dem das Forschungsprojekt angesiedelt ist. „Wo diese Stadt jedoch lag, blieb in der Forschung heftig umstritten.“ Die jüngsten Ausgrabungen brachten nun den Durchbruch: Der Ort befand sich am Nordufer des längsten Flusses Anatoliens, des Kızılırmak (hethitisch Marassantija) in der ostkappadokischen Provinz Sivas.

Die älteste Erwähnung Samuhas datiert in das 19. Jahrhundert v. Chr.  „Altassyrische Tontafeln aus Kültepe bei Kayseri belegen, dass schon in dieser Zeit ein Palast in der Stadt existierte, somit ein Herrscher hier residierte“, legt Sprachwissenschaftlerin Rieken dar. Händler aus dem 750 Kilometer entfernten Assur (Iraq) unterhielten hier zudem einen Stützpunkt.

Marburger Archäologen förderten bei Ausgrabungen in der Türkei eine hethitische Stadt zutage.
Marburger Archäologen förderten bei Ausgrabungen in der Türkei eine hethitische Stadt zutage.

„Noch wichtiger wurde die Stadt dann aber in der Epoche des Hethiterreiches, insbesondere im 14. Jahrhundert v. Chr., als der Regierungssitz zeitweilig nach Samuha verlegt wurde“, führt Müller-Karpe aus. Großkönig Tuthalija III. richtete an diesem Ort seine Residenz ein und blieb dort bis zu seinem Lebensende. Sein Sohn und Nachfolger Suppiluliuma I. führte von Samuha aus zahlreiche Feldzüge, eroberte das hethitische Kernland und die Hauptstadt Hattusa im heutigen Anatolien zurück. Später erweiterte er sein Herrschaftsgebiet zu einem Großreich, das  mit Ägypten um die Vormachtstellung im Alten Orient konkurrierte.

Im 13. Jahrhundert v. Chr. wurde Samuha Schauplatz gewaltsamer Auseinandersetzungen innerhalb des Königshauses. Um 1200 v. Chr. wurde die Stadt dann endgültig zerstört und geriet, wie das gesamte Hethiterreich, in Vergessenheit. Erst durch die 2005 unter Leitung von Andreas und Dr. Vuslat Müller-Karpe begonnenen Ausgrabungen wurden nun wieder Teile der Stadt aufgedeckt. Die Arbeiten werden in Kooperation mit der Deutschen Orientgesellschaft durchgeführt und seitens der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziell gefördert.

An der Philipps-Universität bietet das „Marburger Centrum Antike Welt“ die Plattform für die verschiedenen interdisziplinären Forschungen, die nun durch den jüngsten Erfolg der Identifizierung der Ausgrabungsstätte mit der historisch bedeutenden Stadt Samuha gekrönt wurde.

Marburger Archäologen förderten bei Ausgrabungen in der Türkei eine hethitische Stadt zutage.


Weitere Informationen:

Weitere Informationen finden sich auf der Homepage des türkischen Kultusministeriums: www.kulturvarliklari.gov.tr

Quelle/Text/Redaktion: http://www.uni-marburg.de

Seit 25 Jahren ein Team

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und der Deutsche Fußball-Bund (DFB) bleiben in ihrem Engagement für Gesundheits- und Präventionsprojekte partnerschaftlich verbunden. In der DFB-Zentrale in Frankfurt unterzeichnen heute die Direktorin der BZgA, Prof. Dr. Elisabeth Pott und der Präsident des DFB, Wolfgang Niersbach, die Kooperationsvereinbarung für die nächsten drei Jahre. Die bisherige 25-jährige Zusammenarbeit gehört für beide Partner zur längsten bestehenden Partnerschaft im Bereich der sozialen und gesellschaftlichen Verantwortung.

DFB und BZgA haben bereits früh erkannt, welche wichtige Rolle Fußballvereine im Rahmen der gesundheitlichen Aufklärung spielen. Seit 1989 konnte die BZgA mit Unterstützung des DFB ihre Initiative „Kinder stark machen“ zur frühen Suchtvorbeugung zahlreichen Multiplikatoren im Fußball vermitteln und sie zur Mitwirkung motivieren. „Kinder stark machen“ setzt an, bevor Kinder mit dem Konsum von Suchtmitteln wie Tabak und Alkohol beginnen. Ein zentrales Ziel dabei ist die Vermittlung von Selbstvertrauen in die eigenen Stärken. „Kinder, die ihre Stärken kennen und denen wir Vertrauen und Anerkennung schenken, wachsen zu selbstbewussten Persönlichkeiten heran – eine wichtige Grundlage, um später auch gegen Gruppendruck „Nein“ zu Suchtmitteln sagen zu können“, erklärt Prof. Dr. Elisabeth Pott.

Deshalb hat die BZgA für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Fußballvereinen ein Schulungskonzept entwickelt, das Suchtprävention und die Stärkung von Lebens-Kompetenz eingeführt und inzwischen zum festen Bestandteil der Aus- und Fortbildungsangebote des DFB für seine Landesverbände gemacht hat. An dieser Qualifizierung haben seit 2007 rund 10.000 Multiplikatoren teilgenommen.

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach: „Die Kooperation mit der BZgA liegt uns sehr am Herzen, weil wir im präventiven Bereich in den vergangenen 25 Jahren gemeinsam viel erreicht haben und dort nicht nachlassen wollen. Über den Fußball haben wir die Chance, gerade Kinder und Jugendliche direkt anzusprechen und sie auf Suchtgefahren hinzuweisen. Diese Möglichkeit wollen wir auch in Zukunft über verschiedene Maßnahmen und Kampagnen nutzen.“

Die Kooperation zwischen BZgA und DFB zeichnet sich auch durch neue gemeinsame Projekte aus. Die bundesweite Initiative des DFB „Doppelpass 2020“, bei der die Zusammenarbeit von Schule und Fußballverein gefördert werden soll, zählt ebenso dazu wie das Projekt „Alkoholfrei Sport genießen“ der BZgA, bei dem das Vorbildverhalten der Erwachsenen im Fußballverein im Vordergrund steht.

Unter Berücksichtigung seiner gesellschaftlichen Verantwortung wendet sich der DFB zukünftig noch stärker dem Thema „Gesundheit und Fußball“ zu. In der Zusammenarbeit zwischen DFB und der BZgA soll die Ansprache der Trainerinnen und Trainer sowie der Betreuerinnen und Betreuer zu Themen wie Alkohol- und Tabakprävention, Ernährung, Prävention von Herz- Kreislauferkrankungen intensiviert werden.

Weitere Informationen zu den gemeinsamen Projekten der BZgA und des DFB:
http://www.kinderstarkmachen.de   
http://www.dfb.de/schulfussball/doppelpass-2020
http://www.alkoholfrei-sport-geniessen.de
http://www.null-alkohol-voll-power.de

Autokindersitze: Sechs von zehn sind mangelhaft

Foto: test.de
Foto: test.de

Günstige Autokindersitze schonen zwar das Portemonnaie der Eltern, aber die meisten preiswerten Modelle im Test bieten den Kindern keinen ausreichenden Schutz. Zu diesem Ergebnis kommt die Stiftung Warentest in der November-Ausgabe der Zeitschrift test. Dafür hat sie zehn Kindersitze zwischen 30 und 70 Euro untersucht. Sechs schneiden „mangelhaft“ ab.

Fünf der getesteten Sitze versagten in der Unfallsicherheit – neben dem Nania Safety Paris SP gleich drei Modelle von United-Kids und eines von Tiggo. Überdies enthält einer der United-Kids-Sitze in seinem Bezugsstoff auch zu viel polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK).

Ursache für das „mangelhafte“ Abschneiden der meisten Modelle sind ihre abnehmbaren Rückenlehnen. Folgt man den Herstellerangaben und nimmt diese schon ab einem Kinder-Gewicht von 15 bzw. 22 Kilo ab, haben die Kleinen keine Kopfstütze, die sie bei einem Seitenaufprall schützt. Bei den billigen Autokindersitzen im Test erreicht nur die für Gurtmontage vorgesehene Babyschale Nania Beone SP für 59 Euro ein „Gut“.

Weitere gute Modelle lassen sich unter www.test.de/kindersitze finden. Die Online-Datenbank enthält 280 getestete Kindersitze. Die November-Ausgabe 2014  der Zeitschrift test ist am Kiosk erhältlich.

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