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Landwirte übernehmen kommunale Aufgaben

Landwirtschaftliche Betriebe übernehmen häufig eigentlich kommunale Aufgaben der Nahversorgung, da sie eng mit ihrer Heimatregion und deren Bewohnern verbunden sind. Das hat eine Studie am Beispiel der Altmark in Sachsen-Anhalt gezeigt, die im Rahmen eines Forschungsprojekts am Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa (IMAO) durchgeführt wurde. Die Forscher hatten in den Jahren 2011 und 2012 Interviews mit 134 landwirtschaftlichen Betriebsleitern und 137 politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Entscheidungsträgern geführt. Das waren zum Beispiel Bürgermeister und Vereinsvertreter. Auch statistische Daten und wissenschaftliche Veröffentlichungen wurden ausgewertet.

In Deutschland sind viele ländliche Räume von sinkenden Geburtenraten und einer Überalterung der Bevölkerung betroffen. Vor allem junge Familien ziehen vom Land in die Stadt. Das führt dazu, dass die regionale Wirtschaftsleistung sinkt. Viele Kommunen können aus diesem Grund gesetzlich vorgeschriebene Aufgaben der technischen, sozialen und kulturellen Nahversorgung nicht mehr gewährleisten. Das schwächt wiederum die Attraktivität der Regionen.

Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass Landwirte Aufgaben der öffentlichen Nahversorgung übernehmen – teilweise sogar unentgeltlich. Sie stellen zum Beispiel Maschinen, Geräte und Personal für die Feuerwehr, Straßenräumdienste oder den Katastrophenschutz zur Verfügung. Einige Agrarbetriebe engagieren sich auch in der Kinder- und Jugendarbeit und überlassen für diese Zwecke Räumlichkeiten und Personal.

Viele Unternehmen sind sogar bereit, ihre Leistung in diesem Bereich zu erhöhen. Diese Aufgaben können sie aber nur solange übernehmen, wie sie wirtschaftlich dazu in der Lage sind und selbst eine Zukunftsperspektive haben. Dafür brauchen sie die Unterstützung der Öffentlichkeit – finanziell, aber auch durch die Schaffung besserer rechtlicher Rahmenbedingungen. So würden sich manche Agrarbetriebe gerne an der Grundversorgung beteiligen, wenn der Versicherungsschutz besser geregelt wäre.
Heike Kreutz, www.aid.de

Ernährung von heute: Umweltfreundlicher als vor 20 Jahren

Weniger Fleisch und Wurst, mehr Getreideprodukte, Obst und Gemüse. Die heutige Ernährung ist nicht nur gesünder, sondern auch umweltfreundlicher als noch vor 20 Jahren. So lautet das erfreuliche Resultat einer Studie der Universität Halle. Allerdings wird verschwenderischer mit Lebensmitteln umgegangen, was wiederum der Umwelt schadet.

Für ihre Studie hatten die Wissenschaftler repräsentative Daten der beiden nationalen Verzehrsstudien ausgewertet, die in den Jahren 1985 bis 1989 und im Jahr 2006 durchgeführt wurden. In beiden Studien wurden je rund 20.000 Menschen in Deutschland ausführlich zu ihrem Ernährungsverhalten befragt.

Die Auswertung hat gezeigt, dass sich die Ernährungsweise im Laufe der Jahre den offiziellen Ernährungsempfehlungen angepasst hat. Das gilt insbesondere für Frauen, die sich eher nach diesen Regeln richten. Die Deutschen essen demnach durchschnittlich weniger Fleisch und Wurstwaren, dafür mehr Getreideprodukte, Obst und Gemüse. Das ist nicht nur gut für die Gesundheit, sondern auch für die Umwelt. So sind im Vergleich 1985 bis 1989 zu 2006 die Kohlendioxid- (2,28 t zu 2,05 t pro Person und Jahr) und Ammoniakemissionen (7,7 kg zu 6,5 kg pro Person und Jahr) gesunken. Es wird weniger Land für die Ernährung in Anspruch genommen (2.444 m2 zu 2.098 m2 pro Person und Jahr).

Auch der primäre Energieverbrauch ist von 14,0 auf 13,5 Gigajoule pro Person und Jahr gesunken. Im Gegensatz dazu ist der Wasserverbrauch im Vergleich zu den 1980er Jahren gestiegen (24,9 m3 zu 28,4 m3 pro Person und Jahr). Das liegt vor allem daran, dass Obst, Nüsse und Gemüse häufig aus südlichen Ländern eingeführt werden. Früchte kommen zum Beispiel überwiegend aus Spanien und Italien. In trockenen Gebieten ist Wasser eine knappe Ressource, erklären die Wissenschaftler. Mit dem Kauf von heimischer Ware kann jeder Verbraucher diesem Trend entgegen wirken und die Umwelt entlasten.

Ein weiterer Punkt ist der verschwenderische Umgang mit Nahrungsmitteln, der seit den 1980er Jahren zugenommen hat. Nach aktuellen Schätzungen werden in Deutschland pro Jahr 10 bis 20 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen. Das ist auch ein ökologisches Problem, da für die Erzeugung und die Vernichtung der Waren Rohstoffe, Energie und Wasser notwendig sind.
Heike Kreutz, www.aid.de

Enthornung von Kälbern: Praktikables Schmerzmanagement möglich

Eisspray in Kombination mit Schmerzmitteln lindert nachweislich die Schmerzreaktion von Kälbern, wenn diese enthornt werden. Die Kälber reagieren mit leichten Abwehrbewegungen, diese sind jedoch deutlich geringer als bei Kälbern, die ohne Medikamente enthornt werden. Das ist das Ergebnis von Versuchen zu unterschiedlichen Behandlungen zur Schmerzbekämpfung bei Kälbern. Kälber dürfen bis zu einem Alter von sechs Wochen ohne Betäubung enthornt werden.

Der Tiergesundheitsdienst Bayern hat in Zusammenarbeit mit der Universität München und der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft Vergleiche mit unterschiedlichem Schmerzmanagement durchgeführt. Eine Gruppe von Kälbern erhielt Beruhigungsmittel, Schmerzmittel und unmittelbar vor dem Enthornen wurde Eisspray auf die Hornanlagen gesprüht. Eine andere Gruppe wurde nach Gabe eines Beruhigungsmittels lokal betäubt. Diese Gruppe zeigte im Vergleich zu einer unbetäubten Kälbergruppe nahezu keinerlei Abwehrreaktion während der Enthornung.

Auch bei den Schmerzreaktionen nach der Enthornung gab es keine feststellbaren Unterschiede. Eine Lokalanästhesie darf jedoch nur von einem Tierarzt durchgeführt werden – ein Schmerzmittel darf unter tierärztlicher Anleitung auch der Landwirt geben. Die Autoren der Studie halten die Schmerzbehandlung mit Eisspray und der Gabe eines Schmerzmittels für eine praktikable und schmerzlindernde Methode zum Enthornen von Kälbern, die vom Landwirt durchgeführt werden kann und dem Tierschutz gerecht werde. Sie betonen aber auch, dass mittel- bis langfristig die Zucht auf Hornlosigkeit voranzutreiben sei.

Renate Kessen, www.aid.de

Weniger Soja in der Schweinefütterung

Sojaschrot lässt sich im Ferkelfutter zum Teil durch fermentiertes Rapsschrot ersetzen. In der Schweinemast ist sogar ein Komplettaustausch möglich. Das berichtet Karin Müller von der Lehr- und Versuchsanstalt (LVZ) Futterkamp in Schleswig-Holstein in der Zeitschrift top agrar. Viele Gründe sprechen dafür, von den hohen Sojaimporten weg zu kommen und die Proteinversorgung bei Schweinen zum Teil auf heimische Eiweißpflanzen umzustellen. Fütterungsexperten scheinen jetzt einen Schritt weiter gekommen zu sein und haben erfolgversprechende Ergebnisse aus Untersuchungen mit fermentiertem Raps vorgelegt.

Die Fermentation dient dazu unverdauliche bzw. nicht resorbierbare Stoffe abzubauen und die Phosphorversorgung zu verbessern. Die zurückbleibenden Milchsäurebakterien sorgen beim Schwein außerdem für die Stabilisierung des Darmtraktes. Wie viel Sojaschrot durch fermentiertes Rapsextraktionsschrot im Ferkel- und Mastschweinefutter ersetzt werden kann hat man im LVZ zusammen mit der Getreide AG an knapp 400 Ferkeln und 160 Mastschweinen untersucht.

Die Ergebnisse waren je nach Aufzucht- bzw. Maststadium unterschiedlich: Der Einsatz von fermentiertem Raps ist bei Aufzuchtferkeln nur begrenzt möglich. Bei einem Teilaustausch bis 12 Prozent drohen keine Leistungseinbußen, ein 100-prozentiger Austausch führt zu sinkenden Zunahmen. In der Mast kann Sojaschrot komplett durch fermentiertes Rapsschrot ersetzt werden. Die Mastleistungen bleiben stabil, die Futterverwertung verbesserte sich im Versuch sogar um 0,07 Punkte. Bei den Schlachtkörpermerkmalen war kein Einfluss auf die Parameter festzustellen, die für Mäster den Erlös ergeben.

Praktiker, die mit Coliproblemen zu kämpfen hatten, berichten von Verbesserungen bei Durchfallproblemen bei stabilen Leistungen nach Einsatz eines Fermentfutteranteils von 10 Prozent. Die Ferkel sähen auch viel besser aus, die langen Haare und der spitze Rücken seien verschwunden.
Britta Klein, www.aid.de

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