Ein internationales Forscherteam hat neue Einblicke in die Entstehungsgeschichte der ozeanischen Kruste erlangt. Geowissenschaftlerin Kathrin Faak von der Ruhr-Universität Bochum war an Bord des Expeditionsschiffs „Joides Resolution“, das Anfang 2013 Gesteine aus rund 4000 Metern Wassertiefe an die Oberfläche beförderte. Sie nahm im Rahmen ihres Forschungsaufenthalts an der University of Victoria in Kanada an der Reise teil und berichtet mit ihren Kollegen in der Fachzeitschrift „Nature“.
Schwer zu erreichendes Gestein an die Oberfläche befördert
„Die mittelozeanischen Rücken sind zusammengenommen so etwas wie das größte magmatische System der Erde“, sagt Kathrin Faak. „An ihnen bewegen sich zwei Platten auseinander und heißes Material quillt aus dem Mantel nach, was zum Aufstieg von Magma in der Kruste führt. Durch Abkühlen und Kristallisation dieses Magmas bildet sich neue ozeanische Kruste. Keiner weiß so richtig, was dabei genau passiert. Wie kühlt das Material ab? Wie wird es an den Seiten angebaut?“ Nun sind die Wissenschaftler der Antwort einen Schritt näher gekommen. Während der Expedition 345 zum „Hess Deep Rift“ beförderten sie zum ersten Mal eine größere Menge von Gesteinen aus der unteren Hälfte der ozeanischen Erdkruste an die Oberfläche: sogenannte Gabbros und Troctolite. Da diese normalerweise tief unter einer Schicht aus Sediment und anderen Gesteinen verborgen liegt, sind sie schwer erreichbar. Im Ostpazifik rund 1000 Kilometer westlich der Galapagosinseln hatte das Team jedoch Erfolg, weil hier durch tektonische Prozesse im „Hess Deep Rift“ ein Fenster in tiefere Gesteinsschichten offen gelegt ist.
Mineralverteilung gewährt Einblick in die Entstehungsgeschichte
An Bord der „Jodies Resolution“ untersuchte Kathrin Faak die Bohrkerne der Gesteine und betrachtete 30 Mikrometer dünne Schichtpräparate davon unter einem Polarisationsmikroskop. Dabei analysierte sie, welche Minerale heute in den Gesteinen vorkommen und wie die verschiedenen Minerale darin verteilt sind. Der heutige Mineralbestand und seine Verteilung helfen zu verstehen, wie das Material nach der Kristallisation abkühlte und sich veränderte, und erlaubt somit einen Blick in die Vergangenheit. „Wenn wir die gesamte Entstehungsgeschichte der ozeanischen Kruste verstehen wollen, müssen wir quasi die Zeit zurückdrehen und rekonstruieren, wie die Gesteine kristallisiert sind und was dann alles mit ihnen geschehen ist“, erklärt die Bochumer Forscherin.
Titelaufnahme
K.M. Gillis et al. (2013): Primitive layered gabbros from fast-spreading lower oceanic crust, Nature, DOI: 10.1038/nature12778
Isidor Reiling (1868–1940) betrieb zusammen mit seinem Bruder Hermann eine international erfolgreiche Kunst- und Antiquitätenhandlung in Mainz am Flachsmarkt 2. Seine Frau Hedwig (1880– 1942) stammte aus der angesehenen, weit verzweigten jüdischen Frankfurter Kaufmannsfamilie Fuld. Ihre Tochter Netty (1900–1983) wurde mit dem Erscheinen ihres ersten Buches unter dem Namen Anna Seghers berühmt: Für den „Aufstand der Fischer von St. Barbara“ wurde ihr auf Vorschlag von Hans Henny Jahnn 1928 der Kleist-Preis verliehen.
Hedwig und Isidor Reiling in Mainz, aufgenommen um 1935 Foto: hr/Anne Radvanyi, Berlin
In seinem Vortrag „Die Verfolgung und Beraubung der Familie Seghers-Reiling und ihre Spuren in der Literatur” berichtet Hans Berkessel am Mittwoch, 5. Februar, 19 Uhr im Ratssaal der Stadt Mainz vom Schicksal der Familie in der Zeit des Nationalsozialismus. Im Anschluss liest die Staatsschauspielerin Gaby Reichardt aus Anna Seghers Erzählung „Der Ausflug der toten Mädchen“. Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei.
Das Geschäftshaus am Flachsmarkt 2/4 wurde in der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 beschädigt und später „arisiert“. Auch die Reilings mussten nach dem Pogrom ihren Schmuck und ihr Silberbesteck abliefern und ihre Wohnung verlassen: Sie wurden in einem so genannten „Judenhaus“ auf engstem Raum mit anderen Familien zusammengepfercht. Hedwig und Isidor Reiling lebten zuletzt in der Taunusstraße 31, Flora und Hermann in der Kaiserstraße 32, direkt neben der Gestapo-Zentrale (Nr. 31). Am 30. März 1942 wurde Hedwig Reiling nach Piaski bei Lublin/Polen deportiert, wo sich ihre Spur verliert. Der ältere Bruder Hermann Reiling starb am Tag des Transports; seine Frau Flora wurde am 27. September 1942 nach Theresienstadt deportiert, wo sie am 21. Februar 1943 starb.
Anna Seghers/Netty Reiling, selbst als Jüdin und linke Schriftstellerin doppelt bedroht, hatte sich auf ihrer Flucht über Paris und Marseille nach Mexiko vergeblich bemüht, ihre Mutter zu retten. In ihrer Erzählung „Der Ausflug der toten Mädchen“ setzte sie ihr ein literarisches Denkmal.
Die Veranstaltung des Vereins für Sozialgeschichte Mainz e. V., der Anna-Seghers-Gesellschaft Berlin und Mainz e. V., des Kulturdezernats der Landeshauptstadt Mainz, der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz, des Fördervereins Projekt Osthofen e. V. und von „Gegen Vergessen – Für Demokratie e. V.“/Rhein-Main findet statt im Rahmen des Begleitprogramms zur Ausstellung „Legalisierter Raub“, die der Hessische Rundfunk und das Fritz Bauer Institut bis zum Donnerstag, 5. Juni, in der Gedenkstätte KZ Osthofen zeigen. Die Ausstellung ist von Dienstag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr, Samstag, Sonntag und an Feiertagen von 13 bis 17 Uhr geöffnet. An Karfreitag und Ostersonntag bleibt sie geschlossen.
Gefördert wird die Ausstellung vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst und der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen. Die regionale Präsentation wird unterstützt von der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz, dem Förderverein Projekt Osthofen e. V., der Sparkasse Worms-Alzey-Ried, der AG Juden im Alzeyer Land im Altertumsvereins Alzey und Umgebung e. V., der Anna-Seghers-Gesellschaft Berlin und Mainz e. V., dem Dominikanerkloster St. Paulus Worms, dem Evangelisches Dekanat Worms-Wonnegau, von den Evangelischen Dekanaten Alzey und Oppenheim/Fachstelle Gesellschaftliche Verantwortung, von der Evangelische Stadtkirchenarbeit Worms, vom Forum Anwaltsgeschichte e.V., von Gegen Vergessen – Für Demo-kratie e. V. / Rhein-Main, Jugendhaus Oppenheim, Katholisches Bildungswerk Rheinhessen, Kulturdezernat der Landeshauptstadt Mainz, Landesarchiv Speyer, Landtag Rheinland-Pfalz, Museum Alzey, Museum der VG Eich in Gimbsheim, Oppenheimer Geschichtsverein e. V., Stadtarchiv Worms, Verein für Sozialge-schichte Mainz e. V., Warmaisa – Gesellschaft zur Förderung und Pflege jüdi-scher Kultur in Worms e. V., Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung der EKHN in Mainz/Pfarrstelle für Landwirtschaftliche Familienberatung in Rheinhessen.
Mediziner der Ruhr-Universität Bochum (RUB) haben untersucht, ob etablierte Medikamente gegen Epilepsie entzündungshemmend oder -fördernd wirken – ein Effekt, auf den die Arzneistoffe klassischerweise nicht getestet werden. Eine Substanz verstärkte Entzündungen, während eine andere sie hemmte. Da entzündliche Reaktionen des Gehirns der Grund für Epilepsien sein können, sei es wichtig, den Auslöser bei der Wahl des Medikaments zu beachten, schlussfolgern die Forscher. Sie berichten in der Zeitschrift „Epilepsia“.
Gliazellen spielen eine wichtige Rolle im Nervensystem
Hannes Dambach aus der Abteilung für Neuroanatomie und molekulare Hirnforschung testete mit seinen Kollegen den Einfluss antiepileptischer Medikamente auf das Überleben von Gliazellen in Kultur. Gliazellen sind die größte Zellgruppe im Gehirn; sie sind entscheidend für die Nährstoffversorgung der Nervenzellen und spielen eine Rolle bei Immunantworten und Entzündungsreaktionen. Wie antiepileptische Medikamente auf Gliazellen wirken, ist bislang wenig untersucht. Das RUB-Team der Arbeitsgruppe Klinische Neuroanatomie von Prof. Dr. Pedro Faustmann analysierte vier Substanzen: Valproinsäure, Gabapentin, Phenytoin und Carbamazepin.
Vier antiepileptische Medikamente wirken unterschiedlich auf Gliazellen
Gliazellen, die die Forscher mit Valproinsäure und Gabapentin behandelten, überlebten besser als solche, die sie mit Phenytoin und Carbamazepin behandelten. Carbamazepin hatte jedoch auch einen positiven Effekt: Es milderte Entzündungsreaktionen. Entzündungsfördernd hingegen wirkte Valproinsäure. Wie genau die Antiepileptika Entzündungen beeinflussten, war auch von ihrer Dosis abhängig. Verschiedene Medikamente wirken also unterschiedlich auf Gliazellen und somit indirekt auch auf Nervenzellen.
Entzündliche Reaktionen sollten in klinischen Studien beachtet werden
„Klinische Studien sollten nicht nur darauf fokussiert sein, wie Antiepileptika die Schwere und Häufigkeit von epileptischen Anfällen beeinflussen“, sagt Pedro Faustmann. „Man sollte auch testen, welche Rolle sie für entzündliche Reaktionen im Zentralen Nervensystem spielen.“ Dann könnten sich Ärzte bei der Auswahl eines Antiepileptikums auch an der zugrunde liegenden entzündlichen Erkrankung orientieren.
Epilepsie kann verschiedene Ursachen haben
In Deutschland leiden 0,5 bis 1 Prozent der Menschen an einer Epilepsie, die mit Medikamenten behandelt werden muss. Die Ursachen für die Krankheit können vielfältig sein: genetische Anlagen, Erkrankungen des Zentralen Nervensystems in Folge einer Hirnentzündung, Schädel-Hirn-Trauma sowie Schlaganfall. Hirnschädigungen können auch Entzündungsreaktionen auslösen.
Titelaufnahme
H. Dambach, D. Hinkerohe, N. Prochnow, M.N. Stienen, Z. Moinfar, C.G. Haase, A. Hufnagel, P.M. Faustmann (2013): Glia and epilepsy: Experimental investigation of antiepileptic drugs in an astroglia/microglia co-culture model of inflammation, Epilepsia, DOI: 10.1111/epi.12473
Glück läßt sich beeinflussen: Wir wünschen uns und anderen zum Jahreswechsel ein glückliches, erfolgreiches und gesundes neues Jahr. Das Glück ist aber zu beeinflussen. wir selbst können so einiges für unsere Zufriedenheit tun.