Lippische Ziegler und ihre Frauen

Um das Leben der lippischen Zieglerfrauen geht es bei einer integrativen Führung für Hörende und Gehörlose, zu der der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) am Samstag, 26. Oktober, in sein Ziegeleimuseum nach Lage einlädt. Die rund einstündige Tour wird begleitet von Gebärdendolmetscherin Marika Franke. Die Teilnahme ist kostenlos; gezahlt werden muss nur der reguläre Eintritt.

Das LWL-Ziegeleimuseum hält ein Stück Industriegeschichte lebendig, denn die massenweise Produktion von Backsteinen war Voraussetzung für das rasante Wachstum der Städte und Fabriken während der Industrialisierung. Know how und Arbeitskräfte aus Lippe spielten dabei eine besondere Rolle: Aus der Region zogen alljährlich tausende Männer während der Sommermonate in die Fremde, um auf auswärtigen Ziegeleien zu arbeiten. Die Frauen blieben währenddessen in der Heimat zurück und mussten sich alleine um Haus, Hof und Kind kümmern.

Das LWL-Industriemuseum präsentiert, wie diese Ziegler lebten und arbeiteten. Im ehemaligen Zieglerkotten erfahren Besucher, welche Folgen die Wanderarbeit für das Leben der Frauen und Kinder in Lippe hatte. Den Kern des LWL-Museums bilden die historischen Fabrikgebäude der ehemaligen Ziegelei Beermann am Stadtrand von Lage. Seit 1922 gaben hier Maschinen den Takt an, vorher wurden die Ziegel von Hand hergestellt. Wie – das dürfen Besucher selbst ausprobieren, indem sie in der Maukegrube den Lehm mit Füßen treten und ihn mit beiden Händen in den Streichrahmen drücken.

LWL-Einrichtung:
LWL-Industriemuseum – Ziegeleimuseum Lage
Westfälisches Landesmuseum für Industriekultur
Sprikernheide 77
32791 Lage
Karte und Routenplaner

Braunschweig um 1900 – Architektur & Design

Den städtebaulichen Aufbruch Braunschweigs um die Jahrhundertwende zeigt die neue Ausstellung „Braunschweig um 1900 – Architektur & Design“. Sie ist bis zum Mai nächsten Jahres im Städtischen Museum im Altstadtrathaus zu sehen.

Zwischen 1880 und 1920 verändert sich das Stadtbild Braunschweigs wesentlich. Im östlichen Ringgebiet wächst ein neuer Stadtteil mit viel Wohnraum, Kleingewerbe und auch Kasernen heran. Im Westen und Süden der Stadt entstehen große Industrieanlagen mit Anbindung an die Eisenbahn. Zeitgleich werden fortschrittliche, bedarfsgerechte Wohnquartiere für die Arbeiter gebaut. Die Stadt wird modern: mit neuem Rathaus, Schulen und Grünanlagen. Nach dem Vorbild anderer Großstädte bekommt Braunschweig eine neue Infrastruktur mit Kanalisation, gepflasterten Straßen und Elektrifizierung. Der Bau eines Schlachthofes, öffentlicher Badehäuser und Krankenhäuser sowie die Anlage eines Zentralfriedhofes außerhalb der Stadt lösen Hygieneprobleme.

Die Architektur der Jahrhundertwende ist vielfältig. Neogotik steht neben Neobarock, Jugendstil ist indes im Stadtbild kaum vertreten. Steinhäuser verdrängen nach und nach die Fachwerkbauten. In der Stadt ist das Interesse an der eigenen Geschichte groß. Wertvolle Bauteile alter Fachwerkhäuser werden daher nicht zerstört, sondern abgetragen und im Städtischen Museum bewahrt. Der Denkmalschutz ist geboren.

Neben den Stadtplanern Ludwig Winter (Rathaus) und Max Osterloh (Städtisches Museum) sind viele bedeutende Architekten zu nennen, so Constantin Uhde (Rimpausche Villa), Carl Munte (Volksfreund-Haus) und J. Philipp Lipps (Brauhaus Wolters). Stereofotografien geben in der Ausstellung „Braunschweig um 1900“ Eindrücke von der Residenzstadt und der modernen Industriestadt Braunschweig wieder.

Informationen

Dauer: 22. Oktober 2013 bis Mai 2014
Öffnungszeiten: Di. – So. 10 bis 17 Uhr
Veranstalter: Städtisches Museum Braunschweig, Altstadtrathaus, Altstadtmarkt 7, 38100 Braunschweig, Telefon 0531 470 4551, E-Mail: staedtisches.museum@braunschweig.de, www.braunschweig.de/museum
Der Eintritt ist frei.

Coesfeld als Vorzeigebeispiel für Baukultur

Experten und Fachleute aus den Bereichen Stadtplanung, Architektur und Denkmalpflege trafen sich am 17. Oktober auf Einladung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) in Coesfeld zum „Stadtspaziergang Baukultur“. Dabei stellten Experten besondere Architekturbeispiele in der Innenstadt und in Coesfeld-Lette vor und diskutierten sie mit den Teilnehmern.

Experten und Fachleute aus den Bereichen Stadtplanung, Architektur und Denkmalpflege haben sich zum LWL-Stadtspaziergang "Baukultur in Coesfeld" zusammengefunden und betrachten gemeinsam verschiedene Architekturbeispiele. Zu sehen ist hier der Neubau des Pfarrzentrums Anna-Katharina. Foto: LWL/Djahanschah
Experten und Fachleute aus den Bereichen Stadtplanung, Architektur und Denkmalpflege haben sich zum LWL-Stadtspaziergang „Baukultur in Coesfeld“ zusammengefunden und betrachten gemeinsam verschiedene Architekturbeispiele. Zu sehen ist hier der Neubau des Pfarrzentrums Anna-Katharina.
Foto: LWL/Djahanschah

„Die Stadt Coesfeld hat auf ihren geschichtlichen Wurzeln die Leitlinien für eine vorrauschauende Stadtplanung entwickelt. Die baukulturellen Qualitäten spiegeln sich im Stadtbild wider. Hier läßt sich Stadtbaukultur sehr gut vermitteln“, sagte LWL-Mitarbeiterin Christine Bonatz. Die Architektin vom LWL-Team-Baukultur hat das Konzept für die Führung gemeinsam mit der Stadt Coesfeld und den ortsansässigen Planern erarbeitet und organisiert.

„Der Stadtspaziergang Baukultur ist eine Erfolgsgeschichte. Wir haben gemerkt, dass sich die Qualitätsdiskussionen rund um die Denkmalpflege und die Baukultur am besten direkt vor Ort und durch konkrete Beispiele vermitteln lassen“, erklärte Dr. Markus Harzenetter, Leiter der LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen. Coesfelds Planungsdezernent Thomas Backes war stolz darauf, dass die Stadt Coesfeld als Gastgeber vom LWL anlässlich des zehnjährigen Jubiläums ihres Veranstaltungsformates ausgewählt wurde.

Der LWL-Stadtspaziergang führte die Teilnehmer unter anderem zur Lamberti-Kirche am Markt (Foto), über die Promenade und zum ehemaligen Renteigebäude, einem Baudenkmal der 1950er Jahre. Foto: LWL/Djahanschah
Der LWL-Stadtspaziergang führte die Teilnehmer unter anderem zur Lamberti-Kirche am Markt (Foto), über die Promenade und zum ehemaligen Renteigebäude, einem Baudenkmal der 1950er Jahre.
Foto: LWL/Djahanschah

Vorgestellt wurden denkmalgeschützte Gebäude, die vorbildlich saniert wurden, und Neubauten die im historischen Stadtkontext entwickelt wurden. Auch stadtbildprägende Elemente wie die Stadtpromenade waren Teil der Route und der Vor-Ort-Diskussionen. „Als Vorzeigebeispiel für Baukultur im gewerblichen Kontext gilt der ‚Campus’des Unternehmens ‚Ernstings Family‘. Die qualitätsfördernde Bedeutung von Wettbewerben findet hier ihre gelungene Umsetzung. Daher war es uns wichtig, auch diesen Ort vorzustellen“, erklärte Bonatz.

„Baukultur basiert auf innovativer Planungskultur“, war eine der Kernbotschaften des lokal ansässigen Planungsbüros Wolters und Partner, das über das Projekt „Perspektiven für die Promenade“ berichtete. Michael Führs, von der „Regionale 2013“, stellte zum Thema Planungskultur das Projekt „Gesamtperspektive Flusslandschaft „, das sich entlang der gesamten Berkel erstreckt, vor.

Eine Station des LWL-Stadtspaziergangs war das Firmengelände von Ernsting`s Family in Coesfeld-Lette. Foto: LWL/Djahanschah
Eine Station des LWL-Stadtspaziergangs war das Firmengelände von Ernsting`s Family in Coesfeld-Lette.
Foto: LWL/Djahanschah

Die Teilnehmer beschäftigten sich mit der Frage, wie die Baukultur gefördert werden kann. Thomas Backes gab ihnen seine Erfahrung weiter: Er erläuterte, dass Coesfeld als Instrumente der Qualitätssicherung, für eine gute gebaute Umwelt, eine Gestaltungsfibel und eine Gestaltungssatzung einsetzt. Flankierend dazu hat die Stadt Coesfeld einen hochkarätigen Gestaltungsbeirat besetzt.

Hintergrund:
Der LWL-Baukultur-Stadtspaziergang führt regelmäßig Fachleute aus den Bereichen Stadtplanung, Architektur und Denkmalpflege und die baukulturell interessierte Öffentlichkeit zusammen, um direkt vor Ort baukulturell interessante Projekte kennenzulernen und zu diskutieren. Das Fachamt der LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen initiiert und organisiert die Stadtspaziergänge in wechselnden Städten und Gemeinden von Westfalen-Lippe mit unterschiedlichen baukulturellen Themenschwerpunkten.

LWL-Einrichtung:
LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen
Fürstenbergstr. 15
48147 Münster
Karte und Routenplaner

Radikal – verstörend – zerbrechlich: Isabelle Huppert

Radikal - verstörend - zerbrechlich: So präsentiert sich Isabelle Huppert in ihren Filmen, die die neue Staffel der FilmGalerie anlässlich ihres 60. Geburtstag zeigt. Foto: Isabelle Huppert in "Eine Frauensache", © Concorde, München
Radikal – verstörend – zerbrechlich: So präsentiert sich Isabelle Huppert in ihren Filmen, die die neue Staffel der FilmGalerie anlässlich ihres 60. Geburtstag zeigt.
Foto: Isabelle Huppert in „Eine Frauensache“, © Concorde, München

Die Filmgalerie des LWL-Museums für Kunst und Kultur in Münster startet seine Herbststaffel am Mittwoch (6. November) um 19.30 Uhr mit dem Film „Die Spitzenklöpplerin“ („La Dentellière“) des Schweizer Regisseurs Claude Goretta im LWL-Landeshaus in Münster. Isabelle Huppert spielt die schüchterne Friseuse Béatrice, die sich in den Philosophiestudenten François verliebt. Es entspannt sich ein sensibles Drama über erste Liebe, Verlust und die Unfähigkeit zur Kommunikation.

Mit diesem vielfach ausgezeichneten Film gelang der damals 24-jährigen Isabelle Huppert der internationale Durchbruch. Dr. Ursula Vossen, Filmwissenschaftlerin, Produzentin und Filmförderreferentin, führt in den Film ein und eröffnet die Filmreihe zu Ehren Isabelle Hupperts, deren 60. Geburtstag in diesem Jahr Anlass der Hommage ist.

Die Schauspielerin gehört zu den herausragenden Charakterdarstellerinnen, kaum eine wurde mit vergleichbar vielen Filmpreisen bedacht. Dabei hat sie sich stets allen gängigen Klischees einer Diva entzogen. Huppert spielt eigenwillige bis neurotische Frauen, die eher verstören, als dass sie zur Identifikation dienen. Zwischen Anmut und Abgründigkeit, Beherrschung und Triebhaftigkeit agiert sie mit ihrem ganz eigenen Spiel: zurückgenommenen, puristisch und mit minimalistischer Mimik.

Die Filmgalerie würdigt die Schauspielerin und ihr Werk vom 6. November bis 4. Dezember an fünf Abenden und versucht damit, dem Phänomen „Isabelle Huppert“ näher zu kommen. Das gesamte Programm gibt es im Internet unter http://www.lwl-museum-kunst-kultur.de.

Wegen des Museumsneubaus gastiert die FilmGalerie im Landeshaus des Landschaftverbandes Westfalen-Lippe (LWL) am Freiherr-vom-Stein-Platz 1 in Münster.
Der Eintritt beträgt 5 Euro.

LWL-Einrichtung:
LWL-Museum für Kunst und Kultur
Westfälisches Landesmuseum
Domplatz 10
48143 Münster
Karte und Routenplaner

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...

… wissen, was grade angesagt ist

Translate »