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Molekulare Details zur Regulation der HCV-Replikation identifiziert

HCV Polyprotein und dessen Prozessierung zu funktionellen Bausteinen (oben), NS3 Struktur mit den identifizierten regulatorischen Aminosäuren (unten; Abb.: Tautz et al.) Foto: Uni Lübeck
HCV Polyprotein und dessen Prozessierung zu funktionellen Bausteinen (oben), NS3 Struktur mit den identifizierten regulatorischen Aminosäuren (unten; Abb.: Tautz et al.)
Foto: Uni Lübeck

Virologen und Zellbiologen aus Lübeck, Heidelberg und den USA klären Mechanismen der Infektion mit dem Hepatitis C Virus genauer auf Hepatitis C Virus (HCV) ist das wichtigste ätiologische Agens von sporadischen und transfusionsassoziierten non-A, non-B-Hepatitis. Ungefähr die Hälfte aller Infektionen führen zu einer chronischen Form der Lebererkrankung mit verschiedenen klinischen Manifestationen von einem asymptomatischen Trägerstatus bis hin zu chronisch aktiver Hepatitis, Leberzirrhose und Leberzellkarzinom.

Das Hepatitis C Virus wird hauptsächlich über die parenterale Route oder durch die Verwendung von kontaminierten Blutprodukten (vor 1991) übertragen. Durch die Durchführung von diagnostischen Tests auf HCV kontaminierte Blutprodukte konnte die Häufigkeit von neuen HCV-Infektionen in den letzten Jahren drastisch gesenkt werden. HCV ist trotzdem weiterhin ein ernstes medizinisches Problem, da über 170 Millionen Menschen dauerhaft mit diesem Virus infiziert sind und ein hohes Risiko für schwere chronische Lebererkrankung wie Leberzirrhose und
Leberzellkarzinom haben.

Wie bei vielen anderen Positivstrang-RNA Viren sind im viralen Lebenszyklus von Hepatitis C während der Assemblierung der viralen Viruspartikel neben den Strukturproteinen auch die Nichtstrukturproteine (NS) sowie verschiedene zelluläre Komponenten involviert. Die Nichtstrukturproteine sind auch essentiell am Prozess der Reifung von viralen Replikationskomplexen beteiligt. Dieser Prozess muss exakt gesteuert werden, um einen funktionellen Zusammenbau viraler Replikationskomplexe zu gewährleisten. Bei diesem Vorgang spielt die zeitliche Regulierung der viralen Polyprotein-Prozessierung oft eine entscheidende Rolle. Die große Bedeutung dieser Regulation ist besonders gut an der zwingenden Notwendigkeit einer effizienten NS2-NS3-Spaltung für eine erfolgreiche HCV Genomreplikation zu beobachten.

Die genauere Charakterisierung der molekularen Mechanismen dieser NS2-NS3 Spaltungsregulation waren Gegenstand der Arbeit von Forschern um Prof. Norbert Tautz (Institut für Virologie und Zellbiologie der Universität zu Lübeck) aus Lübeck, Heidelberg und New Heaven, USA. In dieser Studie wurden neue detaillierte Erkenntnisse darüber gewonnen, wie die Regulation der NS2-NS3 Spaltung auf molekularer Ebene stattfindet und warum eine vollständige Spaltung eine zwingende Voraussetzung für den viralen Lebenszyklus von HCV ist. Sie berichten über ihre Ergebnisse in der aktuellen Ausgabe von PLoS Pathogens.

„Wir zeigen in dieser Arbeit, dass drei konservierte Aminosäuren eines hydrophoben NS3-Oberflächenareals eine wichtige Schalterfunktion im viralen Lebenszyklus besitzen“, sagt Prof. Tautz. „Auf der einen Seite sind diese Aminosäuren wichtig für die Aktivierung der NS2 Protease durch NS3, welche zur effizienten NS2-NS3-Spaltung führt. Gleichzeitig ist eine dieser drei Aminosäuren ein kritischer Faktor für die HCV-Genomreplikation, wie eine detaillierte Charakterisierung der beteiligten NS3 Oberflächenreste bezüglich ihrer Rolle in der viralen RNA Replikation zeigte.“

Überraschenderweise ergaben weitere Experimente, dass die NS2-NS3-Spaltung eine zwingende Voraussetzung für die NS5A Hyperphosphorylierung. Diese NS5A Hyperphosphorylierung ist ein Hinweis auf den erfolgreichen Zusammenbau der viralen Replikationskomplexe.

„Unsere Ergebnisse weisen darauf hin, dass im Zuge des schrittweisen Aufbaues von funktionellen viralen Replikationskomplexen eine geordnete Kaskade von molekularen Ereignissen stattfinden muss“, erläutert der Lübecker Virologe. „In ungespaltenem NS2-NS3 fördert das hydrophobe NS3 Oberflächenareal die NS2 Protease Stimulation und damit die NS2-NS3-Spaltung. Nach erfolgreicher NS2-NS3-Spaltung wird dieser NS3 Oberflächenbereich für den nächsten Schritt, dem Zusammenbau der funktionellen Replikase zugänglich. Im Zuge dieser Assemblierung kann das nun freigesetzte NS3 Oberflächeareal durch Protein-Protein Interaktionen, die derzeit in unserer Gruppe genauer untersucht werden, die NS5A Hyperphosphorylierung und damit die Vermehrung des viralen RNA Genoms effektiv fördern.“

Titel der Publikation:
„A Conserved NS3 Surface Patch Orchestrates NS2 Protease Stimulation, NS5AHyperphosphorylation and HCV Genome Replication.“ PLoS Pathogens 10.1371/journal.ppat.1004736
Olaf Isken1, Ulrike Langerwisch1, Vlastimil Jirasko2, Dirk Rehders3, Lars Redecke3, Harish Ramanathan4, Brett D. Lindenbach4, Ralf Bartenschlager2, Norbert Tautz1
1 Institute of Virology and Cell Biology, University of Lübeck, Germany,
2 Department of Molecular Virology, University of Heidelberg, Heidelberg, Germany,
3 Joint Laboratory for Structural Biology of Infection and Inflammation of the University of Hamburg and the University of Lübeck, DESY, Hamburg, Germany,
4 Department of Microbial Pathogenesis, Yale University, New Haven, Connecticut, United States of America.

Die Arbeit wurde durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG, TA 218 2-1) und Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF, Grants 01KX0806 und 01KX0807) gefördert.

Medizinpreis für Markus Schwaninger und Nina Wettschureck

Prof. Dr. Nina Wettschureck und Prof. Dr. Markus Schwaninger Foto: Uni Lübebk
Prof. Dr. Nina Wettschureck und Prof. Dr. Markus Schwaninger
Foto: Uni Lübebk

Wissenschaftler der Universität zu Lübeck und des Max-Planck-Instituts in Bad Nauheim für Entdeckung der Wirkweise einer neuen Therapie bei Multipler Sklerose ausgezeichnet

Markus Schwaninger vom Institut für Experimentelle und Klinische Pharmakologie und Toxikologie der Universität zu Lübeck und Nina Wettschureck vom Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim haben für ihre Entdeckung des Wirkmechanismus eines neu zur Behandlung der Multiplen Sklerose eingesetzten Medikamentes den mit 10.000 Euro dotierten „Novartis-Preis für therapierelevante pharmakologische Forschung“ erhalten. Die beiden Mediziner erhielten die Auszeichnung am 12. März 2015 im Rahmen der Jahreskonferenz der Deutschen Gesellschaft für Experimentelle und Klinische Pharmakologie und Toxikologie (DGPT) in Kiel.

Schwaninger und Wettschureck hatten in ihrem Forschungsprojekt den Wirkmechanismus von Dimethylfumarat bei Multipler Sklerose untersucht. Die Substanz ist seit rund einem Jahr für die Basistherapie zugelassen, nachdem ihre Wirksamkeit zuvor in klinischen Studien belegt worden war.

Die beiden Wissenschaftler fanden heraus, dass Dimethylfumarat seine schützende Wirkung über einen bestimmten Rezeptor auf der Oberfläche weißer Blutkörperchen vermittelt. Diese werden dadurch daran gehindert, in das zentrale Nervensystem einzuwandern und dort Nervenzellen anzugreifen.

Die in Schwaningers und Wettschurecks Studie gewonnenen Erkenntnisse könnten eine wichtige Grundlage für die Entwicklung neuer Therapeutika darstellen. Aus diesem Grund wurden sie nun von der Novartis-Stiftung für therapeutische Forschung ausgezeichnet.

Die Studie wurde durch das EU-Projekt nEUROinflammation (FP7, Nr. 607962) und die Deutsche Forschungsgemeinschaft gefördert (Sonderforschungsbereich TR-128)

Originalpublikation:
Hui Chen, Julian C. Assmann, Antje Krenz, Mahbubur Rahman, Myriam Grimm, Christian M. Karsten, Jörg Köhl, Stefan Offermanns, Nina Wettschureck, Markus Schwaninger: Hydroxycarboxylic acid receptor 2 mediates dimethyl fumarate’s protective effect in EAE. The Journal of Clinical Investigation. doi:10.1172/JCI72151

Die beliebtesten Obstsorten für Sommerkuchen

Aprikosenkuchen Foto: Wirths PR
Aprikosenkuchen
Foto: Wirths PR

Wenn es um das Backen mit Obst geht, so unterscheidet man im Allgemeinen zwischen Obstkuchen und Obsttorten. Bei Obstkuchen wird das Obst mitgebacken, während bei Obsttorten ein gebackener Boden mit Obst belegt und anschließend mit einem Tortenguss überzogen wird. Ob dabei frisches, gedünstetes oder Tiefkühlobst genommen wird, ist egal.

Beim Obstkuchen kann das Obst offen liegen, mit Teig bedeckt („gedeckte Obstkuchen“) oder auch eingebacken sein. Besonders beliebt sind heimische Früchte, die beim Backen nicht austrocken. Äpfel, Birnen, Kirschen, Aprikosen, Pfirsiche, Mirabellen, Pflaumen und Zwetschgen sind deshalb bei Jung und Alt beliebt.

Bei Obsttorten werden gerne heimische Beerenfrüchte verwendet. Allen voran die Erdbeere, selbst wenn diese genau genommen zu den Scheinbeeren zählt. Aber auch Himbeeren, ob frisch oder aus dem Tiefkühlfach, Stachelbeeren und Johannisbeeren sind bei den Deutschen beliebt. Birnen, Pfirsiche, Aprikosen, Trauben und Kirschen sind ebenfalls Klassiker. Daneben hat exotisches Obst den Weg auf die Obsttorte gefunden. So sind Bananen, Kiwi, Orangen, Mandarinen und Ananas keine Seltenheit mehr auf dem heimischen Kuchenteller. Häufig wird auch Sahne, Creme oder Konfitüre verarbeitet, damit die Obsttorte noch saftiger wird.

Patientensicherheit: Vermeidbare Fehler bei Behandlungen minimieren

Falsches Medikament verabreicht, Tupfer im Bauchraum vergessen, Probleme mit der Narkose: Experten schätzen, dass bei jährlich knapp 19 Millionen Behandlungen im Krankenhaus etwa 360.000 bis 720.000 Male etwas schief geht – Fälle, die vermeidbar sind. Auch im ambulanten Bereich gibt es Fehlgriffe, die sich vermeiden lassen könnten. Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK) geben 15 Prozent der Menschen in Deutschland an, dass es bei ihnen in den letzten zehn Jahren einmal zu einem vermuteten Fehler bei einer medizinischen Untersuchung oder Behandlung gekommen ist. Drei Prozent schätzen, dass es sogar mehrmals zu einem Fehler gekommen sein könnte.

 Die TK startet daher im Sommer ein wissenschaftlich begleitetes Pilotprojekt mit Ärzten in Nürnberg für mehr Patientensicherheit in der ambulanten Versorgung. Derzeit laufen die Vorbereitungen für das Modell mit dem „Arztnetz Qualität und Effizienz“, das strukturiert Fehlerquellen orten und darauf bezogene Sicherheitsroutinen entwickeln soll. Thomas Ballast, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der TK: „Das Pilotprojekt haben wir bewusst in Kooperation mit den Leistungserbringern und unter Beteiligung von Wissenschaftlern konzipiert. Denn wo Menschen arbeiten, passieren Fehler; es kommt darauf an, aus ihnen zu lernen und eine Sicherheitskultur zu entwickeln, die diese Fehler vermeidet – ähnlich wie im Straßenverkehr, wo Autofahrer vor einem Unfallschwerpunkt gewarnt werden oder Tempolimits Unfallrisiken minimieren.“

 Mit Blick auf die Patientensicherheit befragt das Wissenschaftliche Institut der TK (WINEG) gemeinsam mit weiteren Partnern derzeit alle Krankenhäuser in Deutschland. Ziel ist es, den aktuellen Stand des klinischen Risikomanagements zu erheben und Erfolgsfaktoren zu analysieren. Beispiel: Wie gelingt es am besten, Patientenverwechselungen auszuschließen oder inadäquate Arzneimittelgaben zu vermeiden?

 Anlässlich der Jahrestagung des „Aktionsbündnis Patientensicherheit“ (APS) heute und morgen in Berlin weist Ballast auch darauf hin, dass das Thema Patientensicherheit für die TK seit jeher einen hohen Stellenwert hat. So unterstützt die TK das APS seit seiner Gründung vor zehn Jahren. Außerdem bietet die TK ihren Kunden vielfältige Angebote zur Stärkung der Patientensicherheit wie beispielsweise ein aktives Behandlungsfehlermanagement, Patientenschulungen und die Kursreihe „Kompetent als Patient“.

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