Prinz William feiert Fußball-Jubiläum: Prinz William zeigte sein Fußballkönnen bei der Feier zum 150.Jubiläum des englischen Fußballverbands im Buckingham Palace.
Archiv für den Monat: Oktober 2013
Deutsche Pflegebildung europaweit abgehängt
Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) begrüßt, dass die EU-Kommission nach 35 Jahren die Richtlinie über die Anerkennung von Berufsqualifikationen reformiert und EU-weit die Mindeststandards für die Ausbildung angepasst hat. Die am 9. Oktober 2013 im Europaparlament in Straßburg verabschiedete Neufassung der Richtlinie macht deutlich, dass sich auch die Gesundheits- und Krankenpflege europaweit den Herausforderungen der Gesundheitsversorgung stellen muss.
Gute Allgemeinbildung ist dafür neben der fachlichen Qualifizierung wesentliche Voraussetzung! „Deutschland isoliert sich bei der Frage der Zulassung zur Pflegeausbildung. Die EU-Kommission wollte die Ausbildungsvoraussetzung auf zwölf Jahre Schulbildung oder Äquivalente anheben – den Standard in 24 von 28 Mitgliedsländern. Die deutsche Bundesregierung hat dieses Vorhaben mit allen Mitteln blockiert. Der noch amtierende Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr brüstet sich öffentlich, damit einen drohenden Pflegenotstand verhindert zu haben. Dabei wurde der deutschen Pflege ein Bärendienst erwiesen“, sagt DBfK-Vizepräsidentin Gertrud Stöcker heute in Berlin.
„Das deutsche Pflegeniveau driftet im internationalen Vergleich in die Zweitklassigkeit ab und die neue Richtlinie ist ein Beleg dafür. Das Zugeständnis, die Anerkennung auch nach 10 Jahren allgemeiner Schulbildung zu gewähren, ist ein Armutszeugnis für die Pflegebildungspolitik in Deutschland. Der auch in Brüssel äußerst kritisch gesehene Trend zur Dequalifizierung in der deutschen Pflege setzt sich fort. Die einzige Strategie deutscher Gesundheitspolitiker ist offenbar die Senkung des Bildungsniveaus, um den Zugang zum Pflegeberuf für möglichst alle offen zu halten. Persönliche und intellektuelle Eignung spielen immer weniger eine Rolle. So wird ein einstmals attraktiver Beruf mit Perspektiven systematisch abgewirtschaftet.“, so Stöcker.
Das Europaparlament in Straßburg hat in seiner heutigen Sitzung die Reform der Richtlinie über die Anerkennung von Berufsqualifikationen (RL 2005/36/EG) beschlossen. Aufgrund deutscher Interventionen enthält sie folgenden Kompromiss:
Die Zulassung zur Ausbildung zur Pflegefachperson, die für die allgemeine Pflege verantwortlich sind, setzt Folgendes voraus: entweder eine zwölfjährige allgemeine Schulbildung (…) oder eine mindestens zehnjährige allgemeine Schulbildung. Artikel 31, § 2
Darüber hinaus werden Kompetenzen als Mindestanforderungen definiert, die künftig alle Gesundheits- und Krankenpfleger/innen in ihrer Ausbildung erwerben müssen (Artikel 31, § 7 und Anhang V, Artikel 5.2.1). Die Umsetzung erfolgt in nationaler Gesetzgebung innerhalb einer Frist von 2 Jahren.
Bessere Einnahmetreue könnte 13 Milliarden Euro einsparen
Mangelnde Einnahmetreue von Medikamenten, auch Non-Compliance genannt, ist nicht nur mit einer hohen Morbidität und Sterblichkeit assoziiert, sondern für das Gesundheitssystem auch teuer. Laut Marktforschungsinstitut IMS Health entstehen durch die falsche Anwendung von Arzneimitteln in Deutschland jährlich Kosten in Höhe von 19 Mrd. Euro, das entspricht 6 Prozent der gesamten Gesundheitsausgaben von 294 Mrd. Euro. In der Verbesserung der mangelnden Einnahmetreue von Medikamenten läge dabei mit 13 Mrd. Euro das größte Einsparpotential.
„Apotheker können viel dafür tun, die Einnahmetreue zu verbessern und damit auch die Gesundheitskosten zu senken“, sagt Friedemann Schmidt, Präsident der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. „Wenn Patienten Schwierigkeiten mit der Anwendung von Arzneimitteln haben oder die Einnahme unbeabsichtigt vergessen, kann der Apotheker Hilfestellungen anbieten.“
Jeder zweite Patient nimmt seine Medikamente bei einer Langzeittherapie nicht wie vom Arzt vorgesehen ein. „Die meisten Arzneimittel werden vom Arzt verordnet und, abgesehen von der Zuzahlung, von der Krankenkasse bezahlt. Werden die verordneten Medikamente nicht oder nicht richtig eingenommen, können sie dem Patienten nicht nutzen – verursachen aber Kosten bei der Krankenkasse und damit bei der Versichertengemeinschaft“, sagt Schmidt. „Apotheker wollen die Arzneimittelanwendung in Zukunft langfristig begleiten. Das verbessert die Einnahmetreue und damit das Therapieergebnis; insgesamt sparen die Krankenkassen Geld.“
Die ABDA und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) haben im ABDA-KBV-Modell bereits 2011 Maßnahmen vorgestellt, wie Ärzte und Apotheker gemeinsam die Arzneimitteltherapie noch besser und preiswerter gestalten können. Voraussichtlich Anfang 2014 startet die Umsetzung in Sachsen und Thüringen, unterstützt von der AOK PLUS. Auf Basis einer Wirkstoffverordnung und eines Medikationskatalogs werden Ärzte und Apotheker ein gemeinsames Medikationsmanagement anbieten, auch mit dem Ziel der Verbesserung der Einnahmetreue.
Weiterbildung und Lernen müssen gestärkt werden
Bei der erstmals durchgeführten internationalen PIAAC-Vergleichsstudie von Schlüsselkompetenzen bei Erwachsenen belegt Deutschland nur einen Rang im Mittelfeld. Die 16- bis 65-Jährigen können sich hierzulande in keinem der drei geprüften Kompetenzfelder Lesen, mathematische Alltagsaufgaben und Umgang mit digitaler Technik bemerkenswert absetzen. Der Verband Deutscher Privatschulverbände e.V. (VDP) fordert Politik und Wirtschaft auf, mehr in Weiterbildung zu investieren und eine Kultur des Lebenslanges Lernens zu befördern.
Die Ergebnisse der PIAAC-Studie (Programme for the international Assessment of Adult Competencies) zeigen, dass der Leistungsabstand zwischen der jüngsten und ältesten getesteten Gruppe beträchtlich ist. „Geistige Fitness und Beschäftigungsfähigkeit in einer ständig komplexer werdenden Arbeitswelt zu erhalten, muss stärker in den Fokus unserer Gesellschaft rücken“, erklärt Petra Witt, Präsidentin des VDP. Bildungszuwächse bei Erwachsenen gelingen in denjenigen Ländern besonders gut, in denen es auch bei den über 35-Jährigen eine gesellschaftlich verankerte Kultur der beruflichen Weiterentwicklung und des Lernens gibt – und das nicht nur bei den Hochqualifizierten. „Hier haben wir in Deutschland Entwicklungsbedarf“, so Witt weiter.
Den Beleg, dass Investitionen in Weiterbildung sehr lohnenswert sind, liefert die PIAAC-Studie gleich mit. Sowohl der durchschnittliche Stundenlohn als auch die Wahrscheinlichkeit einer Erwerbstätigkeit steigt mit zunehmendem Kompetenzniveau des Arbeitnehmers. In Deutschland ist dieser Zusammenhang überdurchschnittlich stark ausgeprägt. Besonders mit Blick auf den demografischen Wandel müssen Politik und Wirtschaft jetzt die richtigen Impulse setzen. Dazu zählt, mehr Weiterbildungsanreize zu schaffen, die durch Staat und Wirtschaft mitfinanziert werden. „Die bestehenden Programme sind dahingehend zu modifizieren, dass Weiterbildung in den Biografien von Arbeitnehmern und auch von Nichtberufstätigen ein fester, wiederkehrender Bestandteil wird. Sonst bleibt Lebenslanges Lernen nur eine Worthülse“, erklärt Witt.
In Deutschland nahmen rund 5.460 Menschen an den Kompetenztests teil.
Insgesamt wurde der Test in 24 Ländern und Regionen der OECD durchgeführt.
Link: www.privatschulen.de